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  TECHNOLOGIE
     
    Neue Projekte durch Web-Services - eine mittelfristige Perspektive
   

Web-Services sind ein In-Thema in der IT-Branche. Die Internet-basierten Standards, die einen Teil ihrer Funktionalität über das Netz anderen Anwendungen zur Verfügung stellen, können auch für Freiberufler demnächst neue Projekte bringen. Zumindest lassen erste Investitionen darauf schließen.

Web-Services auf dem Vormarsch

Bei Web-Services handelt es sich um Softwarebausteine, die auf verschiedenen Netzwerkrechnern laufen und über das Internet zu einer Anwendung verbunden werden. Zu relativ geringen Kosten können so verschiedene Geschäftsprozesse über Unternehmensgrenzen hinweg verbunden werden, beschreibt Cap Gemini Ernst & Young den Begriff. Auf Grund der technischen Einfachheit und eines hohen Standardisierungsgrads können Geschäftspartner, Zulieferer oder Kunden durch Web-Services verknüpft werden. Nach einer jüngsten Studie der Beratung sollen rund ein Drittel der deutschen Unternehmen bereits eine Strategie zum Einsatz der neuen Technologie entwickelt haben. Ein Viertel betrachtet Web-Services als "bedeutsames" oder "sehr bedeutsames" Thema.
Noch steckt knapp die Hälfte der befragten170 deutschen Unternehmen in der Einführungsphase. Während sich knapp ein Drittel mit dem Aufbau einzelner Web-Services beschäftiget, betreiben bereits 15 Prozent den Ausbau. Bei drei Prozent sind Web-Services Realität und werden im Unternehmen genutzt.

 

.NET-Plattform von Microsoft

DIn jüngster Zeit steuert Microsoft zum Thema mit der Plattform .NET bei. Die Vorgeschichte
umfasst strukturelle Veränderungen in der IT Industrie. Sie haben Microsofts Strategie im Umgang mit dem PC und im Umgang mit Software im Allgemeinen massiv beeinflusst. Microsofts wichtigste Umsatzträger haben im professionellen Umfeld einen Sättigungsgrad erreicht, der weiteres Wachstum nicht leicht möglich macht. Auch im Massenmarkt zeichnen sich flachere Umsatzsteigerungen ab.
Microsofts Strategie hat einen gleichbleibenden, stetig wachsenden Umsatz über die nächsten Jahre zum Ziel, merkt die Meta Group an. "Die Antwort Microsofts auf diese Entwicklungen ist zum einen die Ausweitung der Geschäftsfelder auf zusätzliche "electronic devices"' wie PDA, Handy oder Spielekonsolen, vor allem jedoch die .NET-Software-Strategie. Sie soll sowohl die verschiedenen Clients, die auf Internet-Standards basieren, an die Backend Systeme anbinden als auch die Marktdominanz von Microsoft im Desktop-Bereich sichern", kommentiert Owen Menck, Senior Consultant IT Strategy & Architecture META Group.

 

Von Client/Server zur komponenten-basierten Web-Services-Architektur

"Mit Web-Services wird die Integration nicht neu erfunden, aber die technische Seite wird entschieden einfacher und rückt damit in den Hintergrund", ergänzt Dr. Thorsten Wichmann. Der Geschäftsführer von der Berliner Berlecon Research markiert gleichzeitig notwendige Projekt-Skills: "Gefragt sind jetzt Kenntnisse in der Modellierung und dem Management von Geschäftsprozessen."
Aus Sicht der META Group kommen in der .NET Strategie den Web-Services eine besondere Rolle zu. Sie ermöglichen es, sich von der monolithischen Client/Server-Anwendungsarchitektur hin zu einer komponenten-basierten Web-Services-Architektur zu entwickeln. .NET baut auf der Basis von Standards wie SOAP/XML, WSDL und UDDI auf. Nicht alle diese Standards sind allerdings bereits verabschiedet. Kommerzielle Web-Services stellt Microsoft seit kurzem bereit. Unter dem Begriff .NET My Service und mit .NET Passport stehen zentrale Funktionen für die zukünftige Identitäts- und Authentifizierungsverwaltung zur Verfügung.

 

Ideen für ein Business-Modell fehlen noch

Einige Beispiele für .Net My Services im Einsatz sind vorhanden. Allerdings fehlt es an Ideen, wie ein maßgeschneidertes Business-Modell sowie der geteilte Anwendungsentwicklungsprozess praktisch aussehen sollen. "Wie verdienen die Beteiligten ihr Geld?", bringt Achim Heidebrecht, Manager Consultant IT Strategy & Architecture META Group, es auf den Punkt. Die Antwort steht noch aus. "Microsoft muss der Entwicklergemeinde erst noch erklären, wo der Wertbeitrag liegt und wie man ihn erreicht. Hinzu kommt, dass eine derartige Anwendung ihre Funktionsfähigkeit erst noch unter Beweis stellen muss."

 

Hemmschwellen und Hindernisse

Auch wenn der Hype um Web-Services gegenwärtig sehr groß ist, wird die Entwicklung eher langsam vonstatten gehen, mutmaßt Berlecon. Die Berliner gehen geht davon aus, dass 2002 weiterhin von Hype und Neugier bestimmt bleiben wird. Erwachsen werden Web-Services erst ab 2004, um dann 2005 im Markt akzeptiert zu sein. Bis dahin müssen Sicherheitsproblemen gelöst, Transaktionssicherheit geklärt und Skalierbarkeit sowie verlässliche Messaging-Standards eingebracht werden.

Wie wichtig gerade das Thema Sicherheit ist, zeigt die Cap Gemini-Studie. Bei der Frage nach den Hindernissen befürchten nämlich 60 Prozent Sicherheitslücken durch den Einsatz der neuen Technologie.
Weitere Hemmschwellen liegen für 44 Prozent beim unklaren Marktmodell, 34 Prozent halten den Umsetzungsaufwand für zu groß. Bei der Standardisierung gehen die Meinungen von IT-Direktoren und CIOs auseinander. Von jenen 49 Prozent, die von einer Einigung ausgehen, rechnet die Mehrheit damit, dass es eine Standardisierung bei Transaktionen und bei Sicherheitsaspekten innerhalb der nächsten zwei bis vier Jahre geben wird. Ein Viertel geht sogar von einem Zeitraum von nur zwei Jahren aus.
Schließlich ist der Marktplatz bereits gut besetzt. So haben nach Aussage von Cap Gemini die Softwarehersteller Microsoft mit 26 Prozent sowie IBM und Sun mit jeweils elf Prozent den höchsten Bekanntheitsgrad bei Web-Services. Insgesamt verbinden knapp die Hälfte der Befragten einen der großen Drei mit dem Thema.

 

Neue Konzepte brauchen Zeit

Für das laufende Jahr umfassen nach Erkenntnissen der Management- und IT-Beratung Cap Gemini Ernst & Young die Mehrzahl der Projekte kaum eine Million Euro, was als Indiz für eine vorsichtige Annäherung an die neue Technologie gedeutet wird. Rund zehn Prozent der Projekte liegen zwischen einer und fünf Millionen Euro. Erst ein Prozent der Projekte hat die Größe von zehn bis 50 Millionen Euro erreicht.

Für Freiberufler deuten sich beim Thema Web-Services & Co. neue Projekte an. Cap Gemini weiß auch warum: "Trotz einer noch instabilen Marktsituation handelt es sich bei Web-Services um eine zukunftsträchtige neue Technologie, die die Konzepte komponentenbasierter Software fortsetzt. Mit fortschreitender Standardisierung und Eliminierung von Sicherheitslücken wird das Trendthema schnell an Bedeutung gewinnen."
Nach Einschätzung von Berlecon werden 2003 Unternehmen beginnen, Web-Services pragmatisch in ersten Projekten einzusetzen. Eine Etablierung in gut geeigneten Anwendungsbereichen erwartet Berlecon Research erst 2005. "Wenn man aus dem Aufstieg und Fall der New Economy etwas lernen konnte, dann dass neue Konzepte einfach Zeit brauchen, bis sie sich durchsetzen," so Berlecon Research-Geschäftsführer Thorsten Wichmann. "Das gilt besonders für das Unternehmensumfeld, wo wir sehr großes Einsatzpotenzial sehen. Bei aller Faszination, die das Konzept der Web-Services mit sich bringt, sollten die Akteure deshalb den Ball flach halten. Das Beispiel WAP im Mobilfunkbereich zeigt sehr deutlich, wie eine Kombination aus überzogenem Hype und unreifen technischen Lösungen einen an sich guten Standard verbrennen können."