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MAGAZIN
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| TECHNOLOGIE | ||
| Hoffnungen versus Skepsis bei Wissenschaft und Technik | ||
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Für den wirtschaftlichen Erfolg moderner Technologien sind Akzeptanz
und Vertrauen in der Bevölkerung ausschlaggebend. Ergebnisse einer
europaweiten Umfrage zeigten, dass sich in Deutschland vergleichsweise
wenig für Wissenschaft und Technik interessiert wird. Während
zwei von drei deutschen Bürgern diesen Themen gleichgültig gegenüber
stehen, ist in der Europäischen Union über die Hälfte daran
interessiert. Einen hohen Stellenwert jedoch besitzt hierzulande das Internet,
das als wesentlich für die wirtschaftliche Entwicklung gilt.
"Die Menschen haben begonnen, die Wissenschaft als eine Art Büchse der Pandora zu betrachten, aus der manchmal zweifelhafte Erfindungen hervorgehen", meint Daniel Boy. Er arbeitet als Forschungsleiter am Maison des Sciences de l'Homme in Paris und beschäftigt sich mit der Wahrnehmung des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts und der Demokratisierung wissenschaftlicher Entscheidungen. Dieses Gefühl verstärkt sich seinen Erkenntnissen nach seit etwa fünfzehn Jahren. Vor dreißig Jahren erklärten zum Beispiel die Befragten in französischen Erhebungen, die Wissenschaft bringe mehr Gutes als Schlechtes. Heute ist indes die Hälfte der Meinung, Wohl und Übel halte sich die Waage. Allerdings sollte man, wenn man solche Fragen stellt, die Wissenschaft von der Technik und der Industrie unterscheiden. "Für die Anwendungen trägt die Wissenschaft keine direkte Verantwortung", so Boy. "Denken Sie nur an den Rinderwahnsinn. Hier geht es um Fehler der Industrie."
Kontrolle und die Beachtung ethischer Normen Die Kontrolle und die Beachtung ethischer Normen, werden von einer überwältigenden Mehrheit gewünscht. Soziale Kontrolle scheint eine gute Sache zu sein, und zwar in allen kulturellen Schichten. Genau 85 Prozent der Befragten mit hohem Bildungsniveau "stimmen eher zu". Aber nach Auffassung von über 70 Prozent der Europäer "sollten Wissenschaftler die Freiheit haben, nach Belieben zu forschen, solange sie die ethischen Normen beachten". Hoffnungen in Wissenschaft von der Technik haben kaum noch etwas mit dem Vertrauen gemein, das frühere Generationen in den Fortschritt setzten. Die Wissenschaft ist nicht allmächtig. Über die Hälfte der Europäer sind der Meinung, dass die Wissenschaft und Technik nicht zur Beseitigung von Armut und Hunger beitragen werden. Über 61 Prozent von ihnen glauben nicht, dass "die natürlichen Ressourcen der Erde dank des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts unerschöpflich sein werden". Hingegen schätzt eine Mehrheit (80 Prozent), dass Entwicklungen in der Forschung mithelfen werden, Krankheiten wie Aids und Krebs zu heilen (80 Prozent), die Möglichkeiten kommender Generationen vervielfachen (72 Prozent) oder unser Leben gesünder, einfacher und bequemer machen werden (70 Prozent). Diese Skepsis hindert die Europäer jedoch nicht daran, die Bedeutung der Grundlagenforschung zu begreifen, sowohl für die Entwicklung neuer Technologien (83 Prozent) als auch, um "mehr Wissen zu erlangen" (75 Prozent). Unter diesem Gesichtspunkt ist die Forschung, auch wenn sie "keinen unmittelbaren Nutzen bringt", doch "notwendig und sollte vom Staat unterstützt werden". An der angewandten Forschung hingegen scheiden sich die Geister.
Hoher Stellenwert für das Internet Die Hälfte der Befragten erklärte, "zahlreiche Hightech-Produkte seien nichts als Spielereien". Einen anerkannten Stellenwert besitzt jedoch das Internet. Über 56 Prozent sehen es als "wesentlich für die Entwicklung neuer Wirtschaftstätigkeiten" an. Nur wenige glauben indes, dass es die Lebensqualität verbessert. Zu dieser Minderheit gehören vornehmlich junge Männer sowie Personen mit hohem akademischen Bildungsniveau.
Gleichgültigkeit der jungen Generation Ergebnisse der Umfrage belegen, dass Naturwissenschaften für junge Menschen kaum mehr Anziehungskraft besitzen. Die Anzahl der Studierenden in naturwissenschaftlichen Bildungsgängen, sank in den letzten Jahren in den meisten europäischen Ländern kontinuierlich. Die Umfrage liefert dafür Erklärungen: das Studium (langweilige Kurse, schwieriger Stoff), die Berufsaussichten (die Arbeit als solche erscheint eher uninteressant, Gehälter und Karrieremöglichkeiten können nicht überzeugen), und offenbar die schulischen Erfahrungen. Für rund 60 Prozent der Europäer "ist der naturwissenschaftliche Unterricht in der Schule nicht attraktiv genug". Der schwierige Stoff kommt an zweiter Stelle: 55 Prozent der Befragten. Die beiden Erklärungen in Bezug auf die Arbeit (Interesse an sich und Gehalt/Karriere) hielt jeder zweite Befragte für plausibel. Um hier gegenzusteuern, entwickeln viele Lehrer aktive Unterrichtsmethoden, die vor allem auf eigenen Erfahrungen aufbauen, so ein weiteres Ergebnis der Erhebung. Diese Maßnahme heißt ein Viertel der Europäer gut. Dadurch könnte sich auch das "negative Image der Wissenschaft in unserer Gesellschaft" verbessern lassen. Vergleicht man die Ergebnisse gegenüber der Umfrage von vor zehn Jahren, sind sie für wissenschaftliche Bildung unverändert geblieben. Lediglich eine Frage über "Dinosaurier" wurde häufiger und richtig beantwortet. Dieser "Jurassic-Park-Effekt" zeigt die mögliche beachtliche Wirkung von Massenprodukten für Kenntnis und Image der Naturwissenschaften.
"Die Untersuchung des Maison des Sciences de l'Homme lässt eine deutliche Kluft zwischen Wissenschaft und Gesellschaft erkennen", meint Forschungsleiter Daniel Boy. "Sie ist um so besorgniserregender, als unsere Gesellschaft von Forschung und technologischer Entwicklung abhängig ist." Nahezu jeder zweite Befragte erklärte, er sei weder informiert noch an Naturwissenschaften interessiert. Information über Wissenschaft und Technik besitzt daher eine immense Bedeutung. In manchen Schlüsselbereichen reicht sie offenbar nicht aus, um das Interesse der Öffentlichkeit zu gewinnen. Das schlagende Argument, mit dem die Mehrheit zu überzeugen ist, formuliert Forschungsleiter Daniel Boy: "Es ist der Nutzen. Angenommen, die Informationen über die genetisch veränderten Pflanzen stimmen: Wenn es gelingt, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass diese Sorte der Trockenheit widersteht, in den Schwellenländern billig verkauft werden kann und tatsächlich die Hungerprobleme verringert, haben Sie die Zustimmung der Leute. Denken Sie an das Mobiltelefon: Man spricht immer wieder vom damit verbundenen möglichen Risiko, aber dennoch ist es fast schon unentbehrlich." |