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  TECHNOLOGIE
     
    Enterprise Application Integration - junges Thema mit Beratungsbedarf
   

Anwenderunternehmen empfiehlt die Meta Group, durch Enterprise Application Integration (EAI) eine unternehmensübergreifende Infrastruktur zu schaffen. Damit könnten sie flexibel auf unvorhersehbare Marktentwicklungen und Kundenansprüche reagieren. Bei diesen EAI-Projekten kommt der IT - und damit auch externen Skills - eine entscheidende Rolle zu. Da die angebotenen Lösungen neu am Markt sind, könnte der Beratungsanteil an den Projektkosten ein Vielfaches der Softwarelizenzen ausmachen.

Kundenanforderungen und IT-Ignoranz

Enterprise Application Integration-Tools adressieren eine der Kernaufgaben beim Management von Informationstechnologie. Es geht um die Integration von unterschiedlichen Anwendungen innerhalb einer oder zwischen mehreren Organisationen. Diese Applikationen wurden ursprünglich nicht dafür entworfen, miteinander zu agieren.

Notwendig wird die Integration durch Geschäftserfordernisse und Wettbewerb. Bei ihrer Suche nach Wettbewerbsvorteilen stehen Unternehmen immer wieder vor der Aufgabe, sich zu differenzieren. Im Vergleich zu ihren Mitbewerbern müssen sie in relevanten Marktsegmenten Preisgefüge und Leistungsverhältnis permanent verbessern. Dazu zählen neue Produkte und Dienst1eistungen, eine neuartige Kundenansprache oder auch differenzierte Vertriebskanäle.

Dennoch sieht die Mehrheit der Unternehmen zurzeit keinen Bedarf, eine EAI-Plattform kurz- bis mittelfristig einzusetzen. Kein ausreichendes Verständnis für EAI als fundamentale Voraussetzung für E-Business ist nach Meta Group-Angaben bislang bei IT- und Business-Verantwortlichen in deutschen Firmen zu finden. Dabei ist das Konzept des "Time Based Competition" nicht neu, dafür aber aktuell. Schon Anfang der neunziger Jahre prägte es die Boston Consulting Group. Heute verlangen Konsumenten die sofortige Befriedigung ihrer Bedürfnisse, bei Waren ebenso wie bei Dienstleistungen. Besonders die Anforderungen an die "Ware" Information steigen. Ein Beispiel gibt die Finanzwirtschaft. Die schnelle Verbuchung von Vorgängen auf Bankkonten und die aktuelle Information über Salden sind auch bei Individualkunden relevant. Day-Trader wollen innerhalb eines Tages ihr Wertpapierportfolio mehrfach umschichten, um kurzzeitige Kursschwankungen für sich zu nutzen. Dazu müssen Käufe und Verkäufe äußerst zeitnah abgerechnet und auf den Geldkonten des Kunden gebucht werden. Alle beteiligten IT-Systeme müssen verzögerungsfrei zusammenarbeiten. Dabei zieht sich der Workflow von der Börse über die Wertpapierabwicklung bis zum Buchungssystem, in dem die Geldkonten liegen.

Für die IT bedeutet dies, dass alle Systeme, die den Produktentwicklungsprozess unterstützen, nahtlos integriert werden müssen. Aber auch die IT selbst unterliegt dem technologischen Wettbewerb. Die frühzeitige erfolgreiche Einführung von neuen Funktionen kann die Markt- oder Kostenposition eines Unternehmens deutlich beeinflussen.

 

Unausgereifter EAI-Markt

Für einen recht geringen Einsatzgrad von EAI nennt die Meta Group als Grund den noch nicht ausgereiften EAI-Markt. Dabei konzentrieren sich die Markterkenntnisse auf verschiedene Punkte. Hierzu rechnet die Systemarchitektur. Nicht alle Anbieter unterstützen nämlich volle Transaktionssicherung, bei der alle in einem Unternehmen benötigten Betriebssysteme und Datenbanken abgedeckt werden müssen. Betroffen sind nicht nur vorhandene, sondern auch solche, die beispielsweise für E-Commerce-Initiativen neu benötigt werden. Vie1e Anbieter unterstützen zwar schon XML, doch steht oftmals zur Frage, welche Dia1ekte und ob andere Nicht-XML-basierte Formate unterstützt werden.

Noch nicht zu Ende gedacht sind Funktionen zur Datentransformation und zum Datenrouting. Anwendungen sollten sich über vorgefertigte Adaptoren anschließen lassen. Diese sind jedoch meist nur für marktgängige Standardanwendungen und auch nur für wenige Standardszenarien auf Prozessebene verfügbar. Unterschiedlich konfigurierte Standardanwendungen für unternehmensspezifische Prozesse müssen über die mitgelieferten Konfigurationstools der EAI-Applikation erst angepasst werden. Auch bei der Integration von Altanwendungen oder wenig verbreiteter Standardsoftware wird das Anwenderunternehmen um eigene Lösungen, die auf der Toolbox der EAI-Hersteller basieren, nicht herum kommen.

Weiterhin ist die Prozesssteuerung nicht immer zur Abbildung von komplexen Prozessen geeignet. Einige Anbieter können noch nicht Schichten von EAI-Tools wie Prozess, Daten, Anwendungen und Transport darstellen.

Zu systemtechnischen Eigenschaften zählen etwa Skalierbarkeit, Zugriffsschutz, Monitoring und einheitliches Systemmanagement für den laufenden Betrieb aller Komponenten. Auch hier rät Meta Group zu einer Überprüfung der jeweiligen Features.

 

Investitionen und Anbieter

Mit der Investition in ein EAI-Tool findet eine langfristige Bindung an den Hersteller statt. Deshalb sind auch wesentliche Kriterien über die Hersteller zu prüfen. Nach allgemeinen Markterkenntnissen sind vor allem finanzielle Stabilität, .Positionierung im Wettbewerb, Innovationskraft und Commitment zur Weiterentwicklung der EAI -Produkte zu nennen. Besondere Priorität kommt schließlich die Stärke der Support-Organisation zu. Wie sich erkennen lässt, ist derzeit durch die Neuigkeit der angebotenen Lösungen ein qualifizierter lokaler Support in Deutschland nicht immer selbstverständlich. Man kann daher davon ausgehen, dass der Personal- und Beratungsanteil an den Projektkosten ein Vielfaches der Softwarelizenzen ausmachen wird.

Wie die Marktforscher feststellten, zählt der EAI-Anbietermarkt etwa 80 Marktteilnehmer weltweit. Heranreifende Technologien, aufkommende Integrationsstandards und zusätzliche Integrationsanforderungen der Anwenderunternehmen steigern die Komplexität für EAI-Lösungen. Zu künftigen Projektfeldern gehören besonders die Inter-Enterprise-Integration (IEI) sowie die Front-end-Integration. Auch die prognostizierte Marktkonvergenz von Integration-Server- und Application-Server-basierten Integrationslösungen zählen dazu.

 

Integrationsplattform realisieren

Die aktuellen und noch bevorstehenden Veränderungen im EAI-Markt lösen bei den Anwendern Verunsicherung aus, die sich in der abwartenden Haltung widerspiegelt. Wie die Meta Group jedoch darstellt, sei es nach einer umfangreichen Geschäftsprozessanalyse und der Festlegung des Integrationsbedarfs durchaus möglich, die optimalen Integrationstechnologien abhängig vom jeweiligen Szenario auszuwählen. Anwenderunternehmen könnten nicht abwarten, bis sich der EAI-Anbietermarkt soweit entwickelt habe, dass eine einheitliche, standardisierte Lösung für jegliche Integrationsanforderung verfügbar sei, betonen die Meta Group-Experten. Diese Ansicht könnten demnächst eine wachsende Zahl von Anwenderunternehmen teilen und damit neue EAI-Projekte anstoßen. Bereits heute sei man nämlich in der Lage, aus einer Vielzahl an Anbietern und EAI-Technologien zu wählen, um eine individuelle, häufig technologisch heterogene Integrationsplattform zu realisieren.