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  TECHNOLOGIE
     
    Computer und Emotionen
   

Verhaltensforscher beschäftigen sich unter anderem mit dem Gefühlsleben von Menschen und seiner Ausstrahlung nach außen. Die Grundlagenforschung auf diesem Gebiet wartet mit zahlreichen neuen Erkenntnissen auf. Kann es eine Verbindung zum als trocken und seelenlos geltenden Gebiet der Computertechnik geben?

 

 

Analyse der Körpersprache durch Computer

Ein wesentlicher Teil der menschlichen Kommunikation vollzieht sich nonverbal. Manche Menschen können diese subtilen Signale besser erkennen als andere. Die Interpretation hängt auch vom eigenen subjektiven Empfinden ab. Die Firma Digital Mankind aus Wien hat ein System entwickelt, das eine Analyse von Persönlichkeitsmerkmalen durch Technik möglich macht. Die Bilder aus einer auf einen Menschen gerichteten Videokamera werden durch ein neuronales Netzwerk miteinander verglichen. Durch "Training" wurde dieses in die Lage versetzt, Bewegungsmuster zu erkennen und zu bewerten. Basierend auf den Erkenntnissen aus dem Ludwig-Boltzmann-Institut für Stadtethologie in Wien lassen sich Skalen verschiedener Verhaltensweisen erkennen. Der Vorgang des Erkennens basiert auf einem ähnlichen Prozess, wie er auch im Gehirn eines Beobachters ablaufen kann. Aus der Bewegungsenergie einer Versuchsperson wird auf Eigenschaften wie Extrovertiertheit, soziale Toleranz, emotionelle Stabilität, Offenheit und Gewissenhaftigkeit geschlossen. Die Erfinder sehen Anwendungen von der Psychologie über das Personalwesen bis zur Aus- und Weiterbildung. Der Prototyp wurde in Juni 2001 bei der Messe "BBC Tomorrow's World" in London präsentiert.

 

Natürlich agierende Avatare

Wenn die Bedeutung von menschlichen Bewegungsmustern durch Verhaltensforschung herausgefunden wurde, lassen sich diese Muster auch reproduzieren. Diesen Weg geht Digital Mankind mit dem Produkt "Virtual Fashion Show". Dabei wird versucht, im Computer Avatare, also menschenähnliche Figuren zu generieren. Diese sollen durch möglichst natürliche Bewegungen die emotionelle Distanz von Betrachtern zu ihnen abbauen. Körpersprachliche Signale werden als die Kommunikation unterstützende Mittel und damit quasi als "Eisbrecher" verwendet. Die genannte Anwendung macht eine Mode-Präsentation vorprogrammierter Kollektionen möglich. Dabei kann das Internet als Übertragungsweg genutzt werden. Aber auch ein Multimedia-Terminal in einem Kaufhaus oder einer Boutique wäre als praktische Anwendung denkbar. Ein Beispiel für die bestehende Technik findet sich auch im Internet unter der Adresse http://www.digitalmankind.com

 

Zukunftsmusik

Schreitet die Entwicklung im gleichen Maße fort, wird eines Tages vielleicht die Benutzeroberfläche einer Datenbank aus einem virtuellen Kopf auf dem Bildschirm bestehen, der die gestellten Fragen aus seiner Wissensbasis heraus beantwortet. In Kombination mit einer Kamera erkennt er dann vielleicht den Benutzer und auch seine momentane Stimmung. In Verbindung mit einer optimalen Programmierung könnte damit eine ganz neue Dimension von Benutzerfreundlichkeit erreicht werden.