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  WIRTSCHAFT - E-BUSINESS
     
    Cash für Content und Projekte
   

Bald kostet das Internet als Wissensquelle Geld. Denn schon in den nächsten Monaten wollen deutsche Verlage ihr Online-Angebot weitgehend kostenpflichtig machen. Während die einen zur Kasse gebeten werden, werden die anderen Umsatz machen. Dazu können auch Freiberufler mit neuen Projekten gehören.

 

Kostenpflichtige Angebote im Netz

Vor dem Hintergrund der rückläufigen Werbeein-nahmen im Internet sind die Geschäftsmodelle der Online-Verlagsdienste nicht profitabel. Das inter-nationale Beratungs- und Prüfungsunternehmen Andersen benennt in seiner Studie "Die Zukunft der Online-Angebote deutscher Verlage" daher als Grund für die geplante Preiseinführung weitgehend öko-nomische Sachzwänge, wie sie 87 Prozent der Verlage eingestehen. Die überwiegende Mehrheit will dem-nächst Gebühren erheben.
Über 40 Prozent der Medien-Unternehmen stellen bereits heute zum Teil kostenpflichtige Angebote ins Netz. Daneben werden jedoch auch weiterhin Teile des Angebotes kostenfrei bleiben: Die Befragten erwarten, dass es zu einer Mischform aus gebühren-pflichtigen und freien Angeboten kommen wird. Kein einfaches Unterfangen, wie der Deutsche Multimedia-Verband (dmmv) meint. Denn es werde schwierig, den User vom kostenlosen Content zu entwöhnen.
Allerdings begrüßt der Verband als Anbietervertreter die Entwicklung zu kostenpflichtigen Inhalten. Denn die Bereitstellung von Content sei eine Leistung und für eine Leistung solle auch eine Gegenleistung erbracht werden. "Ohne Äpfel mit Birnen vergleichen zu wollen, aber Äpfel bekommt man schließlich auch nicht beim Gemüsehändler geschenkt."

 

Pay-Modelle könnten Projektfelder eröffnen

Was den einen Geld kostet, kann Freiberuflern neue Projektfelder eröffnen. Denn bei der Gebührener-hebung diskutieren die Verlage verschiedene Möglich-keiten.
Denkbar ist etwa eine Abrechnung pro Kunde oder per nachgefragtem Dienst (Abonnenten bezogenes Modell) sowie eine Clubmitgliedschaft, die den Zugang zu exklusiven Daten sichert. Bei dem Pay-per-Minute-Modell hingegen zahlt der Nutzer pro Downloadminute, bei Pay-per-Use fällt nur eine einmalige Nutzungs-gebühr je nach Inhalt an. Für den elektronischen Bezahlvorgang bietet sich neben dem Inkasso-verfahren die Abrechnung über das Festnetz an. Nach Angaben der Verlage ist jedoch auch die Verrechnung über Mobilfunknummern oder Pre-paid-Karten möglich.
Auch Implementierungen bei der Vernetzung von Content in den Medien Print, Web, Mobil, TV und Radio bringen neue Aufgaben, recherchierte Cap Gemini Ernst & Young. Ein Schnittstellenprodukt könnte dann so aussehen: Ein Artikel weist im Web auf eine Fernsehsendung zum gleichen Thema, an die sich der Kunde per SMS erinnern lassen kann. Technologien wie UMTS, Breitband-Anbindung ans Netz und das rückkanalfähige TV-Kabel böten zwar eine Fülle von Formaten, jedoch nur gegen Bezahlung. Doch Technik entscheidet nicht alles. Sollte es den Anbietern nicht gelingen, attraktive Leistungspakete zu entwickeln, werden die Kunden bei der Wahl der Internet-Angebote versuchen, auf kostenfreie Seiten auszuweichen, sind sich Fachleute einig.
Tatsächlich scheint die Bereitschaft, für Web-Content zu bezahlen, zuzunehmen. Im Jahr 2001 lehnte etwa die Hälft der Web-Nutzer kostenpflichtige Inhalte kategorisch ab. Derzeit sind viele von ihnen bereit, für hochwertige und aktuelle Informationen zu zahlen. Die Zahlungsbereitschaft für Downloads von Filmen und insbesondere Musik steigt ebenfalls weiter an. Hierbei wird Know-how für unterschiedliche Billing-Projekte gesucht

 

Web-Projekte für Anzeigenformate

Allerdings scheint eine Umfrage vom Herbst 2002 eher in Richtung von Web-Projekten für ausgeklügelte Anzeigenformate zu weisen. Deutschsprachige Internet-Nutzer wurden nämlich gefragt, welche Finanzierungsform für redaktionelle Online-Angebote sie bevorzugen. Das Ergebnis überrascht, denn vor die Wahl gestellt, sprechen sich insgesamt über die Hälfte der deutschsprachigen Internet-Nutzer für eine Werbe-finanzierung redaktioneller Web-Sites aus (wie über Werbe-Banner, -Pop Ups oder -Movies). Lediglich 10 Prozent wollen eine Finanzierung über Nutzungs-gebühren (über bestimmte kostenpflichtige Inhalte sowie Nutzungs-Abonnements), 17 Prozent der Nutzer sind der realitätsfernen Meinung, redaktionelle Online-Angebote sollten grundsätzlich sowohl werbe- als auch kostenfrei sein.