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  WIRTSCHAFT - E-BUSINESS
     
    E-Economy - auch die öffentliche Hand legt zu
   

In den derzeitigen düsteren Wirtschaftsprognosen taucht unversehens ein Lichtschimmer auf. Deutsch-land werden wichtige Schlüsselfaktoren für eine erfolgversprechende nationale Internetwirtschaft bescheinigt. Davon profitieren nicht nur B2B-Segment und B2C-Markt. Auch die öffentliche Hand stellt zunehmend Online-Leistungen für Unternehmen und Bürger im Internet bereit. Dabei akzeptiert bereits jede zehnte Behörde Outsourcing, um neue Dienst-leistungen anbieten zu können.

 

Regierungs-Engagement für eine zeitgemäße Infrastruktur

Während USA, Kanada und Großbritannien in Übersee die besten Voraussetzungen für E-Commerce bieten, verfügt Deutschland mit 138 Milliarden Euro über den umsatzstärksten IT-Sektor Europas. Dieses Ergebnis stellt die Studie "The World's most Effective Policies for the E-Economy" der Management und Technologie-beratung Booz Allen Hamilton heraus. Dazu haben Rahmenbedingungen, Marktumfeld und Infrastruktur hierzulande beigetragen. Zugleich unterstreicht sie den weit fortgeschrittenen Entwicklungsstand der E-Economy in Deutschland. In den meisten untersuchten Bereichen konnte Deutschland im internationalen Vergleich zur Spitzengruppe aufschließen. Hier macht sich das nachhaltige Engagement von Regierung und Wirtschaft bemerkbar, sagen Ergebnisse der Studie aus.

Als wichtiger Schlüsselfaktor für eine erfolgreiche nationale Internetwirtschaft wird das nachhaltige Engagement der Regierung für eine zeitgemäße Infrastruktur im IT- und Telekommunikationssektor genannt. Zu den infrastrukturellen Voraussetzungen für die E-Economy zählt ebenfalls eine positive rechtliche Rahmengestaltung. Deutschland hat als erstes Land unter den untersuchten G7-Staaten und Schweden sowie Australien die "letzte Meile" entbündelt. Die Gebühren sind im Trend in den letzten Jahren gesunken, die deutschen Internet-Zugangskosten liegen inzwischen international im Mittelfeld.
Herausgestellt wird im Bericht der Technologie-beratung das Engagement der Bundesregierung, etwa die "BundOnline 2005"-Initiative. Im Rahmen dieses Programms wird die Bundesverwaltung bis 2005 ihre Internet-fähigen Dienstleistungen online anbieten. Erste Auswirkungen sind bereits in manchen Modell-behörden sichtbar. So berichtet das Bundesver-waltungsamt über jährliche Einsparungen von rund 4,5 Millionen Euro, die wegen papierloser Abwicklung erzielt werden konnten. Darüber hinaus bewertet die Studie Initiativen wie "Internet für alle" zur Überwindung der so genannten digitalen Spaltung und das "MEDIA@Komm-Programm" zur bürgerfreundlichen Weiterentwicklung von E-Government im kommunalen Bereich als markante Meilensteine auf dem Weg zur E-Economy in Deutschland.
Auch die Wirtschaft möchte technische Innovationen forcieren. Einen Masterplan "E-Government" regt daher der Bundesverband Informationswirtschaft, Tele-kommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) an. Hierzu könne das Projekt "BundOnline 2005" ausgebaut werden. Ziel sei unter anderem eine ein-heitliche IT-Infrastruktur. Durch sie könnten Dienst-leistungen der öffentlichen Hand flexibler und schneller angeboten werden. Außerdem würde der Service verbessert sowie die Kosten für Behörden, Bürger und Unternehmen gesenkt. Die Bundesregierung sollte daher auf eine entsprechende Übereinkunft der Länder im Sinne eines "Staatsvertrags E-Government" hin-wirken.

 

E-Government nutzt Outsourcing-Angebote

Verbesserte Online-Schnittstellen und Web-Kommunikation zahlen sich bereits heute für Behörden aus. Immerhin hat nahezu ein Viertel der Deutschen in den zurückliegenden zwölf Monaten E-Government-Angebote deutscher Städte, Länder oder des Bundes genutzt. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um sieben Prozent. Im internationalen Vergleich von 31 untersuchten Ländern ist die Bundesrepublik Deutschland allerdings bei der Nutzung virtueller öffentlicher Verwaltungen zurückgefallen. Im letzten Jahr noch auf Platz 13, rangieren die Deutschen in diesem Jahr auf Platz 18. Nach den Ergebnissen der internationalen Vergleichsstudie "Government-Online 2002" von der Marktforschungsgrupppe Taylor Nelson Sofres - hierzulande vertreten durch EMNID -, nutzten bundesländerübergreifend durchschnittlich 30 Prozent der Bürger die elektronische Verwaltung via Internet.

 

IT in privater Regie

Um Haushaltsdefiziten und steigenden Anforderungen entgegen zu wirken, greifen immer mehr Behörden auf dabei private Leistungsträger zurück. Das ergab eine Umfrage zum Thema "Outsourcing im öffentlichen Sektor" unter 100 Entscheidern der öffentlichen Hand. Gefragt wurden vor allem für Outsourcing verantwort-liche Top-Führungskräfte und Projektmanager aus deutschen Verwaltungsorganisationen von Bund, Ländern und Kommunen. Die Untersuchung führte die Beratungsfirma Accenture in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) durch. Demnach haben 68 Prozent der untersuchten Behörden bereits ein oder mehrere Outsourcing-Projekte realisiert und sind mit den Ergebnissen durchaus zufrieden. Während in den vergangenen Jahren vor allem sekundäre Aufgaben-bereiche wie Liegenschafts-Management und Wartungsarbeiten ausgelagert wurden, rücken mit zunehmender Erfahrung auch Bürger-Services, IT-Systeme und komplette Geschäftsprozesse in den Fokus. Zwei Drittel der Verwaltungen besitzen Outsourcing-Erfahrungen. Sie zeigen eine höhere Bereitschaft, sowohl Prozesse auszulagern als auch neue Finanzierungs- und Projektformen zu wählen. Bei den Befragten ohne solche positiven Outsourcing-Expertise ist eine gewisse Ignoranz zu erkennen, ist aus der Umfrage zu lesen. Sie betrifft jedoch nicht die IT. Selbst Skeptiker der Auslagerung glauben nämlich, dass die Informationswirtschaft in privater Regie besser aufgehoben sei - etwa anstehende Projekte wie die digitale Bürgerkarte oder die Gesundheitskarte.

 

B2B-Segment basiert auf ISDN

Im Business-Segment sind fast alle Betriebe am Netz, wie die Studie von Booz Allen Hamilton ausweist. Mit über 90 Prozent angeschlossenen Unternehmen gehört Deutschland zur Spitzengruppe. Selbst im Sektor der klein- und mittelständischen Unternehmen wird eine Rate von rund 80 Prozent erreicht. Deutlich niedriger ist die Nutzung von Breitband-Internet. Gegenüber ISDN hat sich Breitband erst einen Zu-gangsanteil von rund einem Drittel der Betriebe erobert. Die BAH-Studie benennt für den B2B-Sektor auch Defizite. Während deutsche Unternehmen zu-nehmend die Möglichkeiten des Online-Einkaufs und -Verkaufs nutzen, steht der "Impact" im Hinblick, Geschäftsprozesse und Service-Angebot neu auszurichten allerdings erst noch bevor.

 

"Business-to-Consumer" noch ohne akzeptierte Bezahlform

Im Privatbereich hat sich die Internet-Verbreitung über die letzten Jahre weiter entwickelt. Sie steigt an, wenn auch mit geringerer Geschwindigkeit. Populärer geworden ist der Einkauf über das Internet. Noch immer ein Hemmnis für "Business-to-Consumer"-Transaktionen bildet hierbei die Scheu, ohne PIN zu bezahlen. Das Online-Zahlungsverfahren etwa, bei dem persönliche Angaben wie Kreditkarten- oder Kontonummer erforderlich sind, wird lediglich von vier Prozent angenommen. Sicherheitsbedenken bremsen noch erheblich. Acht von zehn Deutschen halten in diesem Rahmen auch eine Nutzung elektronischer Behördendienste für unsicher. "Die Bundesbürger wollen das E-Government, wie die gestiegene Nutzung in Deutschland belegt", kommentiert Klaus-Peter Schöppner. Eine dienstleistungsorientierte Verwaltung müsse nach Ansicht des Geschäftsführers von TNS EMNID ihre Veränderungsprozesse daran ausrichten und das Internet als Plattform für elektronische Behördengänge weiter ausbauen. Für Projekteinsätze wird dies bedeuten: Das Misstrauen in vorhanden Sicherheits-lösungen zeigt, dass Sicherheitsstandards in der Netzkommunikation mit dem virtuellen Bürger erheb-lich verbessert.