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  WIRTSCHAFT - ALLGEMEIN
     
    All-Rounder-Qualifikation für Projekte im Mittelstand gefragt
   

Das bedrohliche IT-Know-how-Defizit bei kleinen und mittleren Unternehmen können auch Freiberufler aus-gleichen helfen, meint Prof. Dr.-Ing. Sigram Schindler, Vorsitzender der Initiative "Mittelstand online". Besonders IT-Experten mit kaufmännischem Sach-verstand sind gefragt.

Die geschäftliche Situation des Unternehmens verbessern

Das IT-Defizit der kleinen Unternehmen bewegt sich laut Initiative "Mittelstand online" im Verband der deutschen Internet-Wirtschaft, eco Electronic Commerce Forum e.V., auf rechnerisch über 70 Prozent. Diese Zahl lässt auch den Wettbewerbs-nachteil der Mittelständler gegenüber den Großunter-nehmen erkennen. Hier kann der Einsatz freiberuf-licher IT-Experten dazu beitragen, das IT-Know-how-Defizit bei kleinen und mittleren Unternehmen auszu-gleichen. Allerdings ist dabei das Qualifikationsprofil der Freiberufler dabei von entscheidender Bedeutung. "Wohl jeder Mittelständler benötigt einen unter-nehmerisch denkenden, externen Berater mit um-fassendem IT-Know-how, der die geschäftliche Situation des Unternehmens verbessern helfen kann - ein reiner IT-Experte jedoch kann dies nicht leisten", merkt Professor Dr.-Ing. Sigram Schindler, Vorsitzender der Initiative "Mittelstand online", an. Ein Beispiel dafür gibt eine Beobachtung der Deutschen Gesellschaft für Mittelstandsberatung. Ihrer Erfahrung nach verstehen Unternehmer die Pflege bestehender Kundenbeziehungen zwar als wesentlichen Erfolgs-faktor. "Umso mehr erstaunt es, dass kaum einer der von der DGM befragten Firmenchefs ausgefeilte Instrumente nutzt, um Kundenbeziehungen zu optimieren oder auszubauen," ist von der DGM zu hören. Viele Unternehmer, die CRM-Systeme schon nutzen, sind unzufrieden mit den Informationen, die das System liefert. Sie erhalten kaum detaillierte Auswertungen über Absatz- und Ergebnisentwicklung, über bestimmte Kontaktfrequenzen und die Analyse verlorener Aufträge. Kundenlebensläufe führen die wenigsten Unternehmen. Auch verfolgen sie weder gezielt Markttrends, noch können sie die Rentabilität ihrer Abnehmer beurteilen. Oft sind vorhandene Informationen zu unspezifisch für die zuverlässige Einschätzung möglicher Umsatzpotenziale. Der Grund dafür liegt nach Aussagen der Mittelstandsberater auf der Hand: Mit der technologiebetonten, schnellen Software-Einführung wird der zweite Schritt vor dem ersten gemacht.
Voraussetzung für die erfolgreiche Nutzung einer CRM-Software jedoch ist, dass die Kernprozesse und Organisationseinheiten, die im Betrieb vorhandenen sind, ein aktives Management der Kundenbeziehung in allen Stadien erlauben. "Ausgangspunkt jeder Über-legung muss die Überprüfung und Optimierung der vorhandenen Vertriebsstrategie und der Vertriebs-organisation sein. Diese Beratungsqualität meint Professor Schindler, wenn er von IT-Experten mit "ordentlichem kaufmännischem Sachverstand" spricht. Sie könnten in praktisch jedem Mittelstands-unternehmen eine signifikante Verbesserung der Geschäftslage erzielen helfen. "Ob der so qualifizierte externe Unternehmensberater nun Angestellter eines lokalen Dienstleisters oder Freiberufler ist, halte ich für nebensächlich."

 

IT-Defizit als ernsthaftes Mittelstands-Handicap

Im Mittelstand liegt nach Markterhebungen der Anteil von IT-Beschäftigten an allen seinen Beschäftigten um den Faktor 2,6 niedriger als bei den Großunter-nehmen. Berücksichtigt man zusätzlich den rund 30-prozentigen "economy of scale"-Produktivitätsvorteil der Großunternehmen, lässt sich das IT-Defizit der Mittelständler sogar mit dem Faktor 3,5 beziffern. Seit dem Beginn des Internet-Hypes wuchs es ständig an. Nach Ansicht des Vorsitzenden der Initiative "Mittelstand online" korreliert dieses Ergebnis eng mit der Entwicklung der Anzahl der Insolvenzen im Mittelstand sowie der Zahl Arbeitslosen.
Während Großunternehmen regelmäßig besonders bei Auftragsspitzen oder Mangel an Spezial-Skills IT-Freiberufler für Projekte einsetzen, scheinen bei kleinen und mittleren Unternehmen Skepsis und Ressentiments gegen die "Externen" vorzuherrschen. Die Zurückhaltung ist nicht ganz unbegründet. "Großunternehmen sind stark arbeitsteilig organisiert, sodass in ihnen IT-Experten über kein kauf-männisches Potenzial zu verfügen brauchen", erklärt Schindler. "Mittelständische Unternehmen sind da-gegen ganzheitlich organisiert, sodass sie mit Spezialisten - ganz gleich ob rein technischer, kauf-männischer oder sonstiger beruflicher Prägung - nichts anfangen können." Sie würden im Mittelstand zurecht als weltfremd empfunden, nämlich als der mittelständischen Welt fremd."

 

Potenzial für das Projektaufkommen

Welches Potenzial für das Projektaufkommen von Freiberuflern hier schlummert, zeigt ein Blick in die Statistik. Über 90 Prozent aller Unternehmen, etwa 80 Prozent aller Ausbildungsplätze, fast 70 Prozent aller Arbeitsplätze, 60 Prozent der Wertschöpfung und fast 50 Prozent der steuerpflichtigen Umsätze in Deutsch-land gehören zum Mittelstand. Daher unterstützt eco flexible Arbeitsmodelle wie Freiberuflichkeit in der IT und in der New-Media-Branche. Die Initiative "Mittel-stand online" hat als Ziel, mittelständische Unter-nehmen den Zugang zur profitablen Nutzung der Internet-Geschäftspotenziale zu ermöglichen. Flexible Arbeitsmodelle und der Einsatz von Freiberuflern dürften dabei diesen Zugang vereinfachen. "Speziell das Arbeitsmodell der Freiberuflichkeit scheint mir mit der oben skizzierten "All-Rounder-IT-Qualifikation für Mittelständler" sehr gut zusammenzupassen", ermuntert Professor Schindler IT-Freiberufler zur Projektarbeit im Mittelstand.