MAGAZIN
zurück
  WIRTSCHAFT - ALLGEMEIN
     
    Bei IT-Investitionen liegt das Augenmerk auf messbaren Ergebnissen
   

Entscheider in den USA und Europa wollen im nächsten Jahr ihre IT-Investitionen aufstocken.
Jedoch müssen sich Investitionen in IT mehr denn je rentieren - dieser Aspekt trifft auch für den Einsatz von Consulting-Ressourcen zu.

ITK-Markt in Deutschland 2003

Moderat interpretiert der ifo-Konjunkturtest für November 2002 die konjunkturelle Aufwärtsbewegung der deutschen Wirtschaft. Die aktuelle Geschäftslage wurde von den befragten Unternehmen zum dritten Mal in Folge besser beurteilt. Allerdings ist erst im Verlauf des Jahres 2003 mit einer allmählichen Erholung der Konjunktur in Deutschland zu rechnen.
Bis Jahresende jedoch wird der deutsche Markt für Informationstechnik und Telekommunikation (ITK) um 1,3 Prozent auf 136 Mrd. Euro schrumpfen, meldet der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekom-munikation und neue Medien e.V. (BITKOM). Fast alle Segmente mit Ausnahme der Telekommunikations- und Internet-Dienste schreiben rote Zahlen. Selbst die Wachstumsträger des letzten Jahrzehnts, Software und IT-Services, haben ihre Zugkraft verloren.
Für das kommende Jahr erwartet der BITKOM ein allmähliches Ende der Talfahrt und eine leichte Stabilisierung der Nachfrage. Die ITK-Branche sollte dann in Deutschland unter dem Strich eine schwarze Null erreichen können. Die Stabilisierung wird nicht alle Marktsegmente erreichen, sagt der Verband voraus. Während die Umsätze mit Hardware und Systemen sinken, gehen die Umsätze mit TK-Diensten gegenläufig nach oben. Der Hardware-Sektor verliert in den Jahren 2000 bis 2003 zehn Milliarden Euro, TK-Dienste gewinnen im gleichen Zeitraum das gleiche Euro-Volumen hinzu. Software und IT-Services liegen in der Mitte.

 

Shake out im Softwaremarkt

Doch selbst in ausgeglicheneren Zeiten wird die IT-Branche mit einem geringeren Wirtschaftswachstum und verschärften Wettbewerb leben müssen. Diese Aussage treffen renommierte Marktbeobachter wie die Gartner Goup. Für die europäische IT-Branche im Jahr 2003 erwarten die Analysten, dass sich die Konsolidierung fortsetzt. Im Markt sei eine hohe Zahl von Wettbewerbern, zudem würden Gartner-Prognosen zufolge die IT-Ausgaben in Europa nur um runde fünf Prozent wachsen. Für das übernächste Jahr sagen die Experten von Gartner einen drastischen Shake out im Softwaremarkt voraus. Fusionen und Insolvenzen haben bis Ende 2004 die Hälfte der großen weltweit tätigen Softwareanbieter vom Markt gefegt.

 

Hoffnung auf eine Trendwende

Ob weitere Prognosewerte von Gartner die Hoffnung auf eine Trendwende im IT-Markt rechtfertigen, ist noch offen. Immerhin sollen knapp zwei Drittel von 540 befragten IT-Entscheidern in den USA und Europa im nächsten Jahr ihre IT-Investitionen aufstocken, heißt es in einer Gartner-Studie. Jeder vierte Befragte hat vor, mehr als 100.000 US-Dollar zu investieren.
In diesen Kontext passen Ergebnisse einer aktuellen Umfrage des IT-Wirtschaftsmagazins "CIO" unter 324 IT-Entscheidern. Demnach steigen die IT-Budgets deutscher Firmen um durchschnittlich 0,8 Prozent, während sie im Jahr 2002 noch um ein Prozent im Schnitt gesunken sind. Mehr als die Hälfte der Unternehmen will die Ausgaben für IT nächstes Jahr sogar um knapp zehn Prozent erhöhen.

 

Umsätze im E-Commerce

E-Commerce trotzt der Konjunkturflaute. Bereits jeder zweite Deutsche kauft Waren im Web ein. Die Zahl der Stammkunden der großen Online-Händler ist inner-halb nur weniger Monate rasant gestiegen. 2003 werden, so schätzt der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE), die Umsätze im E-Commerce von acht Milliarden Euro in diesem Jahr (2001: rund fünf Milliarden Euro) auf mehr als elf Milliarden Euro steigen. Um höheren Ansprüchen und veränderten Gewohnheiten der Verbraucher gerecht zu werden, setzen die Unternehmen mehr und mehr auf Multi-channel-Strategien. Die Entwicklungen im Mobile Commerce erweitern dabei das Spektrum der Möglich-keiten und kommen vor allem den Gewohnheiten junger Zielgruppen entgegen.
Der Deutsche Multimedia Verband (dmmv) e.V. sieht sich damit in seiner Prognose vom Beginn des Jahres bestätigt. dmmv-Präsident Rainer Wiedmann über die positive Entwicklung: "Die interaktiven Medien bieten nicht nur Möglichkeiten zur Vertriebs- und Marketing-unterstützung, sondern vor allem auch im Hinblick auf die Kundenbindung. Hier ist vor allem der Mittelstand aufgefordert, den veränderten Anforderungen der Konsumenten stärker Rechnung zu tragen." Wer seine künftige Marktposition nicht gefährden wolle, so Wiedmann weiter, müsse jetzt gezielt Geld in den Ausbau seiner E-Commerce-Aktivitäten investieren.

 

IT-Security ist ein Investitionsfeld

Auch IT-Security gehört zu den bevorzugten Investitionsfeldern. Obgleich die META Group für das Jahr 2003 von einer Stagnation der globalen IT-Investitionen ausgeht, deuten aktuelle Ergebnisse der weltweiten Befragung von CIOs eine gleichzeitige Zunahme der IT-Security-Budgets an. Immerhin erhöhten 71 Prozent der global tätigen Unternehmen ihre Budgets für IT-Security im Jahr 2002. Verstärkt legen die Anwenderunternehmen dabei ihr Augenmerk auf messbare Ergebnisse und die Wertschöpfung der Security-Investitionen.

 

Investitionen in Consulting müssen sich rentieren

Ob Mittelstand oder Großunternehmen: Investitionen in IT müssen sich mehr denn je rentieren - dieser Aspekt trifft auch für den Einsatz von Consulting-Ressourcen zu. Beim Engagement von Beratern sind die IT-Manager umsichtig geworden. Bis vor kurzem wurden Berater manchmal unkontrolliert ins Haus geholt, lautet die Selbstkritik der IT-Chefs. In der gegen-wärtigen prekären wirtschaftlichen Lage setzen die Unternehmen eher auf eigene Kompetenz: Zuerst wird im eigenen Unternehmen nach Lösungen gesucht. Dazu richten sie "Enterprise Competence Center" mit internen IT-Beratern ein und installieren laut eigenen Aussagen "Process Owner" und "Key User".
Derzeit ist laut Umfrage deutliche Zurückhaltung gegenüber Consulting-Unternehmen zu vermerken. Bei Ausgaben für Beratung hat fast die Hälfte der Befragten hat dieses Jahr Geld gestrichen. Doch noch nicht genug: Im nächsten Jahr will ein gutes Drittel in diesem Bereich nochmals kürzen, während ein weiteres Drittel die Ausgaben unverändert lassen will. Dennoch ist das Insourcing nach Erkenntnissen der Meta Group für acht von zehn Unternehmen kaum ein Thema. Sie planen keine Rückführung ausgelagerter IT-Services in die eigene IT-Organisation.

 

ROI-Berechnung der CIOs außer Kontrolle

Das Dilemma zwischen steigenden Anforderungen und reduzierten Budgets scheinen IT-Chefs nicht immer entsprechend zu bewältigen. Dies legt zu-mindest die Studie von Xerox "Documents, People and Technology: A European Perspective" nahe. Während mehr als zwei Drittel (67 Prozent) der europäischen Unternehmen den Return on Investment (ROI) ihrer jährlichen IT-Ausgaben bewerten, wird in deutschen Unternehmen nur in jedem zweiten Fall der Erfolg von IT-Investitionen gemessen. Im Vergleich zu Schweden, Frankreich und England (zu je 74 Prozent) liegt Deutschland damit klar unter dem Durchschnitt. Mehr als ein Viertel (26 Prozent) der Befragten geben zu, dass ihre ROI-Berechnung fehlerhaft ist. In Schweden sind es sogar 41 Prozent, in Deutschland wiederum nur 23 Prozent und in Frankreich sogar nur 17 Prozent. In der Xerox-Studie kam zum Ausdruck, dass dieser Zustand verbessert werden könnte, wenn Unter-nehmen umfangreichere Informationen von ihren Technologie-Dienstleistern erhalten würden. Diese Aussage bestätigen mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Befragten.

Andere Marktbeobachtungen gehen mit dem IT-Management noch härter ins Gericht. Bis zu sechs Prozent ihres IT-Budgets würden deutsche Unter-nehmen aus dem Fenster werfen, heißt es da. Schlechte Projektplanungen bei IT-Management und den Fachabteilungen seien Gründe. Systeme und Anwendungen würden nur unzureichend abgestimmt eingekauft, rudimentär eingebunden und oft unrentabel eingesetzt. Termin- und Budgetüberschreitungen seien an der Tagesordnung. Erforderlicher Nach-arbeiten ließen den Überblick über die Rentabilität von Investitionen verschwimmen. Mögliche Sparpotenziale seien vorhanden, jedoch noch nicht ausreichend genug erschlossen - etwa eine umfassende Anforder-ungserhebung, bedarfsorientierter Einkauf, optimierte Prozessabläufen und effizientes IT-Controlling. Damit könnten schließlich bis zu neun Prozent der anfallenden IT-Kosten eingespart werden.