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  WIRTSCHAFT - ALLGEMEIN
     
    IT-Dienstleister setzen auf Innovationen - Anwender frieren sie ein
   

 

Der deutsche ITK-Markt wird weiter schrumpfen

Die Informations- und Kommunikationstechnik (ITK)-Branche befindet sich in einer schwierigen konjunk-turellen Situation. In den letzten Jahren ist die ITK-Industrie durchschnittlich um den Faktor vier schneller gewachsen als die Volkswirtschaft. In diesem Jahr verhält es sich eher umgekehrt, konstatiert der Bundesverband Informationswirtschaft, Tele-kommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM): Der deutsche ITK-Markt wird bis Jahresende um 1,3 Prozent auf 136,1 Milliarden Euro schrumpfen.
Im Jahr 2001 konnte noch ein durchschnittliches Plus von 1,7 Prozent auf 137,9 Milliarden Euro verbucht werden. Für das kommende Jahr erwarten die BITKOM-Experten insgesamt ein allmähliches und eine leichte Stabilisierung der Nachfrage. Die ITK-Branche wird unter dem Strich voraussichtlich eine schwarze Null erreichen. Die Umsätze in Deutschland sollen im Jahr 2003 nach einem leichten Plus von 0,4 Prozent bei 136,5 Milliarden Euro liegen. Hierbei weichen einzelne Marktsegmente sehr stark vom Durchschnittswert ab. Die Bandbreite reicht laut BITKOM von minus 18 Prozent bei der Über-tragungstechnik bis zu plus zehn Prozent bei Multi-funktionsgeräten und plus 16 Prozent bei den Internet-Diensten.

 

IT-Dienstleister setzen auf neue Technologien

Das Umfeld bleibt insgesamt ungünstig. Einerseits ist es von einem noch ziemlich ungewissen Ende der konjunkturellen Talfahrt, andererseits von härterem Konkurrenzdruck geprägt. IT-Dienstleister sehen sich auf ihren angestammten Märkten zunehmend ausländischer Konkurrenz ausgesetzt. So bemerken in Westdeutschland mehr als 80 Prozent, in Ostdeutsch-land etwa 45 Prozent steigende ausländische Konkurrenz.
Um sich zu behaupten, setzen die IT-Dienstleister auf Innovationen. Dabei spielen vor allem Prozess-innovationen eine wichtige Rolle. Im Vordergrund steht der unternehmensinterne Einsatz von neuen oder wesentlich verbesserten Technologien.
Prozessinnovationen dienen der Optimierung der Geschäftsabläufe. Sie sollen ebenso die Qualität der angebotenen Dienstleistungen erhöhen. Offensichtlich zahlt sich eine konsequente Fokussierung aus: Wer in den vergangenen zwölf Monaten Prozessinnovationen durchgeführt hat, erwirtschaftete im Schnitt einen Um-satzanteil von mehr als 90 Prozent. Unternehmen, die in den vergangenen zwölf Monaten neue oder wesentlich verbesserte Dienstleistungen angeboten haben, konnten etwa 65 Prozent des Umsatzanteils verbuchen.

 

Erfolge bei der Kooperation mit externen Ressourcen

Dies sind zentrale Ergebnisse einer Konjunktur-umfrage bei rund 1200 IT-Dienstleistern vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim in Zusammenarbeit mit dem Verband der Vereine Creditreform in Neuss vom September und Oktober 2002. Weiterhin ist aus der ZEW-Umfrage zu ersehen, dass sich IT-Dienstleister auch für eine effizientere Gestaltung der unternehmensinternen Ab-läufe engagieren. Dazu werden einzelne Tätigkeiten an Fremdfirmen vergeben, um sich stärker auf ihre Kern-kompetenzen konzentrieren zu können. Somit reagieren die Service-Unternehmen im Rahmen der Personal-Ressourcen auf die instabile Marktlage. Sie wollen sich nicht unnötig mit fixen Personalkosten für Angestellte belasten. Freiberufler finden in diesem Umfeld als Subunternehmer für Spezialaufgaben oder bei Kapazitätsengpässen ein interessantes Be-schäftigungsfeld.
Dabei stellt im Vergleich zum Jahr 2001 der Mangel an Fachkräften kaum noch eine Behinderung für IT-Beratungs- und Systemintegrations-Unternehmen dar, wie Ergebnisse einer Studie der Lünendonk GmbH in Bad Wörishofen zeigen. Im Jahr 2002 erreichte nämlich der "Mangel an Fachkräften" nur noch 2.7 Punkte, im Jahr 2001 waren es noch 4.3 Punkte. Allerdings kündigt sich die Kooperation mit externen Ressourcen seit 1999 deutlich an. Die Mehrheit der Unternehmen hatte bereits in den vergangenen drei Jahren Tätigkeiten mit Erfolg an Externe ausgelagert. Gerade für IT-Dienstleister sowie für Tele-kommunikationsdienstleister war diese Maßnahme in diesem Zeitraum von großer Bedeutung.

 

Anwenderunternehmen halten Investitionen zurück

Der Wirtschaftszweig IT-Dienstleister setzt sich laut ZEW-Umfrage vor allem aus Informations- und Kommunikationstechnologie- (IKT-) Dienstleistern zu-sammen, also Unternehmen der Teilbranchen DV-Dienste und -Vermietung, IKT-Fachhandel sowie Telekommunikationsdienste. Während diese Service-leister auf Innovationen bei Prozessen und Produkten bauen, ist gleichzeitig zu beobachten, dass viele An-wenderunternehmen seit Monaten notwendige Investitionen einfrieren. Da diese nun langsam wieder freigegeben würden, könnte sich nach Prognosen der Gartner Group Anfang des nächsten Jahres der Projektmarkt langsam wieder erwärmen. Allerdings steigen nach Einschätzung der Analysten die IT-Aus-gaben erst Monate nach dem allgemeinen konjunk-turellen Aufschwung an. Dann rufe das zusätzliche Geschäft neuen IT-Bedarf hervor. Zudem würden sich die Unternehmen zunächst davon überzeugen, ob die konjunkturelle Entwicklung auch stabil sei, bevor sie wieder in IT investieren. Umfragen unter den Teil-nehmern von Gartner Group-Symposien bestätigen, dass jeder vierte befragte europäische IT-Entscheider für 2002 und 2003 von stagnierenden Budgets aus-geht. Knapp ein Drittel sieht die Ausgaben sogar sinken. In Deutschland scheint die Lage für die IT-Industrie weiterhin bedrohlich. Hier geht nämlich die Hälfte der IT-Manager von unveränderten Budgets aus. BITKOM-Präsident Volker Jung betonte daher: "Die ITK-Wirtschaft besitzt nach wie vor ein enormes Potenzial." Doch zu kritisieren sei, in der aktuell schwierigen wirt-schaftlichen Lage lediglich auf Kostensenkung zu setzen. Cost cutting allein diene selten dem nachhaltigen Wachstum der Unternehmen.

 

Öffentliche Hand zeigt Innovationsgeist

Ähnlich innovationsfreudig wie die IT-Dienstleister scheint im Anwenderlager derzeit nur die - mit Blick auf Innovationsgeist oftmals belächelte - öffentliche Hand zu sein. Im Rahmen der Initiative "eEurope 2005" und parallelen nationalen Programmen wie "BundOnline 2005", die auf die Verbesserung der ITK-Ausstattung im öffentlichen Sektor abstellen, kann von dieser Seite mit steigender Nachfrage gerechnet werden. Trends sind neben der Integration verschiedener Business-Anwendungen Sicherheitslösungen, Web-based Services und Content Management.