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  WIRTSCHAFT - ALLGEMEIN
     
    IT-Manager machen persönliche Inventur
   

Immer mehr IT-Chefs betreiben eine Repositionierung ihrer IT und ihrer Person im Unternehmen. Da die Unternehmensführung der Informationstechnologie zunehmende strategische Bedeutung für das Geschäft zuerkennt, konzentrieren sich die IT-Chefs dabei auf die neue Rolle von IT-Strategie-Beratern. Zum Aus-gleich vergeben sie das operative Business gern nach außen.

Quo vadis IT?

Hat die IT ihre strategische Bedeutung für die Mikro- und Makroökonomie verloren?

Besonders größeren Anwenderunternehmen ist wegen der heterogenen IT-Landschaften meist unklar, ob die vorhandenen Ressourcen optimal, - und manchmal auch, ob sie überhaupt - genutzt werden. Außerdem lässt sich oftmals nur schwer beziffern, welchen Beitrag einzelne Anwendungen zum wirt-schaftlichen Ertrag des Unternehmens leisten.

Zwischen IT-Organisation und Top-Management fand dazu bislang kaum der notwendige Informations-austausch statt. Besonders deutlich zeigt sich dies seit kurzem beim Thema "Sicherheit". Technologische Schwachstellen führten oftmals zu unternehmerischen Schäden in Millionenhöhe. Doch geändert hat sich deswegen nicht viel. Die größte Sicherheitslücke im Unternehmen, schlussfolgert daher die Meta Group, sei "das Management". Dem IT-Manager gelang nur selten, der Top-Etage IT-Sicherheit nicht als ein not-wendiges Übel, sondern in engstem Zusammenhang mit Geschäftsinteressen verständllich zu machen. "Nur weil sich der Erfolg von Sicherheitsprojekten nicht direkt in bare Münze umrechnen lässt, wird hier auf erhebliche Kosteneinsparungen und Wertschöpfungs-potenziale verzichtet", stellt Carsten Casper fest, Consultant bei der Meta Group.

"Quo vadis IT?" ist daher eine von Geschäftsführern und Vorständen oftmals gestellte Frage. Hat die IT ihre strategische Bedeutung für die Mikro- und Makroökonomie verloren? Gerhard Rienecker, Geschäftsführer der PASS Consulting Group, postuliert: "Wir befinden uns immer noch im 5. Kontratieffzyklus, nämlich der Informations- und Wissensgesellschaft. Zurzeit verarbeiten wir nur Daten und stehen in den Anfängen der Informationsverarbeitung. Wie müssen über den Weg der Informationsverarbeitung erst noch zur Wissensverarbeitung vorstoßen."
Hier könnten nach Ansicht des PASS-Managers die Unternehmen dramatische, strategische Effekte zum Nutzen der jeweiligen Volkswirtschaften erzielen. Mit einigen Beispielen untermauert Rienecker diese These: "Die STP (Straight-through-processing)-Rate in den Unternehmen ist immer noch viel zu niedrig, hier müssen DMS (Dokumenten Management)- und WM (Workflow Management)-Systeme greifen. Die Intelligenz vieler materieller Produkte ist immer noch viel zu gering. Wir müssen heute vielfach mit spar-tanischen heterogenen Benutzeroberflächen von Geräten leben, die sich nicht selbst dokumentieren und selbst steuern können. Die Entscheidungs-unterstützung in Unternehmen ist reduziert auf die Lieferung von Entscheidungsmaterial. Alternativ-diskussionen, Entscheidungsszenarien und Ent-scheidungsvorschläge werden durch die heutigen Systeme noch nicht geliefert." Nach Ansicht Rieneckers trägt die IT zu rund 50 Prozent zur mikroökonomischen Produktivität bei. Dieser Anteil wird noch weiter zunehmen. Ein Grund für die Steigerung liegt bei der Konvergenz von Technologien wie dem Pocket-PC. Ein weiterer Grund ist die Doppelfunktion von IT als Informations- und auch als Produktionstechnologie, was für alle Dienstleister, insbesondere für Finanzdienstleister, gilt. Zudem kommt ein Impuls von jenen materiellen Produkten, die immer mehr mit IT-basierten Technologien aus-gestattet werden, wobei jedoch die heutigen Möglich-keiten wahrscheinlich erst zu 40 Prozent ausgeschöpft werden. "Insofern denkt derjenige, der die Informationstechnologien in Richtung Commodity diskutiert, entweder zu kurz oder möchte die IT-Community beeindrucken, die sich hoffentlich nicht beeindrucken lässt", kommentiert Gerhard Rienecker.

Zu diesen Thesen passen einige Marktwerte der Meta Group. Sie stellte fest, dass rund 70 Prozent der Führungskräfte mit IT-Verantwortung ein ungutes Gefühl haben, wenn sie an neue geschäftliche und technologische Herausforderungen und deren Umsetzung durch ihre IT-Organisationen denken. Zugrunde liegt oft die Tatsache, dass diese IT-Organisationen ein Dasein als "Kostenverursacher" fristen und in der Regel überwiegend auch nur Commodity-Dienstleistungen erbringen.

 

Die IT-Standortbestimmung scheint für IT-Manager zu beginnen

Eine qualitative IT-Standortbestimmung kann helfen, die Kommunikation zwischen IT-Organisation und Top-Management zu verbessern und eine Vertrauensbasis zu schaffen. Diese Positionierungsphase scheint nun für IT-Manager zu beginnen. Die oftmals diagnostizierte Sprachlosigkeit zwischen IT-Organisation und Top Management löst sich auf. Diesen Prozess angestoßen hat besonders das 'Gap Year' 2002, lautet eine Einschätzung der Gartner Group. Die IT-Ausgaben steigen in diesem Jahr nicht an. Die IT-Abteilungen sind mit Integrations- und Konsolidierungsarbeiten sowie Vorbereitungen für den erwarteten Aufschwung beschäftigt. Dadurch erhalten IT-Manager eine not-wendige Pause.
Daher hätten es dieses Jahr viele IT-Manager geschafft, ihre Stellung im Unternehmen zu stärken. Zwei Drittel gaben in einer Markterhebung der Synstar Computer Services an, dass sie nun aktiv mit strategischen Empfehlungen auf die Geschäftsleitung zugehen, während 30 Prozent von der Geschäftsleitung direkt um Rat gefragt werden.

Fazit: IT-Manager mussten noch im Vorjahr darum kämpfen, von der Geschäftsleitung überhaupt wahrge-nommen zu werden. Zwischenzeitlich konnten jedoch viele IT-Manager, da weniger operative Aufgaben zu bewältigen sind, ein neues Verhältnis zur Geschäfts-leitung aufbauen.

 

Fragestellungen bezüglich Prozess- und Dokumentationsverfahren

Die Meta Group beobachtet dabei folgendes: Eine An-näherung über Technologie führt fast schon zwangs-läufig zu Fragestellungen bezüglich Prozess- und Dokumentationsverfahren. Dies ließ sich im letzten Jahr bei mehr als zehn durchgeführten IT-Standort-bestimmungen für große IT-Organisationen fest-stellen.

Seit IT-Manager bei der Geschäftsleitung mehr Gehör finden, geben 90 Prozent offen zu, dass sie gerne weniger Zeit auf die Lösung von IT-Problemen verwenden und sich gerne stärker auf die Umsetzung strategischer Unternehmensziele konzentrieren würden, konnte Synstar Computer Services weiterhin erfahren. Im Gegensatz hierzu befürworten nur fünf Prozent ein Outsourcing ihrer strategischen Aufgaben. Gleichzeitig sind IT-Manager weit mehr als in der Vergangenheit bestrebt, ihre betriebswirtschaftlichen Kenntnisse zu erweitern. Rund 80 Prozent wünschen sich Schulungen, die sich stärker auf betriebs-wirtschaftliche Abläufe konzentrieren, um ent-sprechend auf die zunehmend strategischen Aufgaben vorbereitet zu sein.

 

Aufgabe für externe Spezialisten: die Managementpraxis von Projekten

Die veränderte Einstellung der IT-Manager wurde durch die geänderte Haltung europäischer Unter-nehmen angestoßen, ihre eigenen IT-Ressourcen zunehmend für strategische und nicht nur für operative Aufgaben zu nutzen.
Dabei benötigen die Geschäftsleitungen in zu-nehmendem Maß das Expertenwissen der IT-Manager, um sicherzustellen, dass die richtigen Maßnahmen und Systeme verwendet werden, um die Sicherheit der Geschäftsprozesse zu gewährleisten und strategische Unternehmensziele zu erreichen.

Da IT-Manager ihren Wirkungsbereich entsprechend erweitern, kommt ihnen dabei auch die Aufgabe zu, die Geschäftsleitung über IT-Defizite zu beraten. Wie Synstar Computer Services in ihrer Markterhebung feststellt, müssen IT-Manager folglich auch Projekte befürworten, die nicht unmittelbar zum ROI beitragen. Beispielsweise sollten unternehmensrelevante Systemwartungs- und IT-Sicherheitsprojekte Priorität vor jedem größeren ROI-Projekt haben, lautet der Synstar-Kommentar. "Es hat keinen Sinn, in ein teures CRM-System zu investieren, wenn die Infrastruktur, die das System unterstützt, marode ist."

IT-Manager wissen, dass sie einen Ausgleich zwischen strategischen und operativen Aufgaben schaffen können, wenn sie bestimmte Aufgaben an externe Spezialisten übertragen. Ein zentraler Punkt ist die Managementpraxis von Projekten. PASS Consulting Group-Geschäftsführer Gerhard Rienecker: "Projektmanagement wird vielfach deutlich unter-schätzt. Es ist eine der kompliziertesten Disziplinen, denn nur etwa 30 Prozent der Projekte bleiben "in time", "in budget" und "in quality". 70 Prozent über-ziehen ihre Budgets - teilweise ins Uferlose." Insofern führt nach seiner Erfahrung unangemessenes Projekt-management zu hohen Kostenrisiken und vielfach sogar zu Unternehmensrisiken, weil beabsichtigte Chancen nicht erreicht werden. "Deshalb haben wir Projektmanagement zu unserer Kernkompetenz gemacht und in nahezu 22 Jahren Projektgeschäft 20 Methoden entwickelt, die geeignet sind, die Projekte sicher zu machen."