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  WIRTSCHAFT - ALLGEMEIN
     
   

Corporate Universities als Einsatzfeld für Berater

 

 

 

Nach einer Prognose der International Data Corporation (IDC) vergrößert sich der Markt für Web-basiertes Training auf 5,5 Milliarden US-Dollar in den nächsten Jahren. Qualifizierten Beratern eröffnen besonders Netzwerke und Kooperationen bei moderner Weiterbildung Projektchancen.

Corporate Universities unterstützen die Geschäftsziele

Es gibt Bewegung im internationalen Weiter-bildungsmarkt bei Unternehmen, wie verschiedene Befragungen bestätigen: Rund 80 Prozent der Corporate Universities nutzen bereits Web-basierte Technologien. Weiterhin wird erwartet, dass 96 Prozent aller Weiterbildungsmaßnahmen von Unternehmen in den nächsten Jahren über das Netz durchgeführt werden.
Auch deutsche Corporate Universities unterstützen so die Geschäftsziele ihrer Mutterunternehmen. Sie haben wie bei der Bertelsmann University etwa als Ziel, die Marktposition in einem komplexen, globalen Wett-bewerbsumfeld zu stärken oder auch Führungskräfte konzernübergreifend zu vernetzen. Kernkompetenzen aufzubauen, ein effizientes Wissensmanagement zu fördern und zu vermitteln zählen ebenso dazu wie eine Weiterentwicklung der Unternehmenskultur.
Bei Daimler-Chrysler-University stehen ähnliche Ziele im Vordergrund. Als Schwerpunkte gelten, unter-nehmerische Kompetenzen auszubauen, unter-nehmerisches Verständnis zu fördern, das Einsatz-spektrum der Führungskräfte durch General Management-Fähigkeiten auszuweiten, Wissens-förderung, die internationale Orientierung zu stärken oder auch Organisationsgrenzen durch internationales "net working" abzubauen.
Ein vergleichbares Programm hat die Lufthansa School of Business aufgelegt. Auf dem Plan steht, die Konzernstrategie zu unterstützen, Intellectual Capitals weiter zu entwickeln und zu binden sowie Best-Practices von Kooperationspartnern und eigenem Know-how darzutellen.
Grundvoraussetzung für erfolgreiche moderne Weiter-bildungsmaßnahmen ist, dass Lernen mit neuen Medien einfach und unterhaltsam ist. Das Kunstwort "Edutainment" belegt diese Zielsetzung. Lernen, Unterhaltung und Spiel wirken bei dieser Software zusammen, wie das Praxisbeispiel Ford zeigt. Der Automobilkonzern betreibt eines der weltweit größten interaktiven digitalen Satellitennetzwerke. Ange-schlossen sind allein 6 000 Händler in Nordamerika. Synchron möglich sind Fernsehübertragungen zu neuen Produkten, asynchron möglich ist die individuelle Bearbeitung von Lernprogrammen.

 

Nutzen von Web-basierten Trainings

Der Nutzen von Web-basierten Trainings zeigt sich bei den Kriterien Zeit, Kosten und Lernerfolg:
Ermöglicht wird gemeinsames Lernen auch bei räumlicher Distanz, wobei die Entfernung völlig nebensächlich wird. Alle Mitarbeiter sind so an jedem Ort des Unternehmens über den Globus verteilt gleichzeitig zu erreichen sowie einzubeziehen. Ein weiterer Vorteil liegt im "Just-in-Time" -Lernen. Wissensvermittlung wird bei Bedarf auf der Grundlage von stets aktuellen Information möglich. Es gibt also keine Verfallszeiten von Wissen über die räumliche Distanz. Mitarbeiter können bei der asynchronen Selbststeuerung das eigene Lerntempo bestimmen. Es ist also individuell möglich, Neues zu vertiefen und Unklares zu wiederholen, wo und wie auch immer die Schwerpunkte gesetzt werden.
Kosten zu vermindern, ist ein weiterer Nutzen. Lou Gerstner, der ehemalige CEO von IBM, beziffert die Einsparungen und Produktivitätssteigerungen auf 100 Millionen US-Dollar. Die erreichte Kostenreduzierung für einen netzbasierten Trainingskurs wird mit 60 bis 70 Prozent beziffert. Ein IBM-Erfahrungswert belegt, dass 400000 US-Dollar Kosten eingespart werden können, wenn ein Unternehmen 1000 Stunden Präsenz-Training durch netzbasierte Weiterbildung ersetzt. Gerade auch bei zeitkritischer Qualifizierung können weltweit gleiches Wissen und gleiche Methoden eingesetzt werden. Bei den Cisco Academy Programmen ermöglichen Trainingseinheiten von maximal 20 Minuten es den Außendienstmitarbeitern, die Lerneinheit kurz vor dem Kundengespräch durchzugehen. Mit dem Cisco-Online-Trainings-System wurden laut Unternehmen im Jahr 2001 täglich 2000 Wissens-Test durchgeführt.


Interne Personalressourcen reichen oftmals nicht aus

Innerhalb der Organisation wird der Leiter einer Corporate University von wenigen Mitarbeitern unterstützt, die etwa als Fachkonzeptionisten in den Feldern Beratung, Training, Wissensmanagement und Public Relations Vollzeit zur Verfügung stehen. Diese Personalressourcen reichen jedoch nicht aus. Daher bietet sich Entwicklung und Durchführung im Netzwerk an. Das vorherrschende Kooperationsprinzip bedeutet: keine festen und langfristig bindenden Allianzen mit externen Dienstleistern, statt dessen werden zeitnah und projektspezifisch die jeweils besten externen und internen Inputs zusammengeführt. In Zeiten, in denen das Produktspektrum und die Geschäftsprozesse auf die Kernkompetenzen ausgerichtet werden, kommt dem Erfahrungshintergrund externer Berater aus einer Vielzahl anderer Projekte und Branchen hohe Be-deutung zu. Beraterrollen sind gerade in einer Corporate University vielfältig. Die Zukunft der "Unter-nehmensakademie" liegt nicht in der Abgrenzung, sondern in der intelligenten Kooperation mit externen Ressourcen.

 

Beraterrollen in einer Corporate University

Die Beraterrollen, die in einer Corporate University wahrgenommen werden, können ein breites Spektrum von nachfrage- und angebotsorientierten Services umfassen. Ausgangspunkt für ihren Einsatz sind meistens strategische Initiativen, die von der Führungsspitze angestoßenen werden. Sie sind im Sinne eines Multi-Projekt- oder Programm-Managements umzusetzen. Dies ist eine potenzielle Aufgabe für Berater. Zu den Beraterfunktionen aus Sicht der Corporate University gehören strategischer Projektmanager, Mobilisierer und Informations-beschaffer, außerdem Diagnostiker und Analytiker, schließlich Kontrollmanager und Implementierer. Weitere Kategorien sind Promotor des Wandels, Trainingskonzeptionist sowie Trainer, Coach oder auch Evaluierer.