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  WIRTSCHAFT - ALLGEMEIN
     
   

Potenzial der Informationstechnologie nutzen, statt sich ins Aus zu sparen

 
   

Trotz aller negativen Meldungen über die Markt-entwicklung bei Informationstechnik und Tele-kommunikation besitzt dieses Wirtschaftssegment nach wie vor ein erhebliches Potenzial. Daher sollten Unternehmen vorhandene Chancen wahrnehmen, die durch die IT ermöglicht werden, statt sich ins Aus zu sparen.

BITCOM-Chef Rohleder: Für 2003 eine schwarze Null

Im IT-Projektmarkt sieht es dunkel aus. Nach Markt-einschätzungen erreichte das Volumen in der ersten Jahreshälfte 2002 kaum mehr als die Hälfte des Vorjahreswertes. Noch nie waren so viele Freiberufler verfügbar. Immerhin ist ein Sechstel der freiberuflichen IT-Experten bereits länger als sechs Monate auf Projektakquise.
Gerade die Budgetkürzungen im IT-Segment sind eine logische Konsequenz hoher Investitionen der Ver-gangenheit. "Die Kosten für Y2K, Euro und E-Business waren überproportional und können so nicht weiter fortgeschrieben werden", meint Gerhard Rienecker. "Während die Projekte für Y2K und Euro Muss-Projekte waren, um überlebensfähig zu bleiben, hatten die E-Business Projekte strategischen Charakter. Leider sind die Investitionen vielfach nicht belohnt worden", stellt der Geschäftsführer der PASS IT-Consulting GmbH & Co. KG (www.pass-consulting.com) fest. "So erleben wir heute das Phänomen, dass einerseits die Muss-Projekte fehlen und andererseits die Budgets für strategische, wettbewerbsvorteilstiftende Projekte mehrfach auf den Prüfstein gestellt werden." Darüber hinaus mache die Konjunktur Sorgen und dies löse Kürzungen im Investitionshaushalt aus. Somit ergeben sich aus diesen Trends heraus Budgetreduktionen. Doch Rienecker kritisiert: "Der eine Trend ist nachvollziehbar, aber IT-Budgets zu kürzen, weil die Konjunktur nicht läuft, halte ich für den falschen Ansatz."
In den nächsten Monaten könnte sich der rückläufige Trend verstärken. Zwar liegt der westeuropäische Markt für Informationstechnik und Telekommunikation (ITK) im laufenden Jahr 2002 leicht im Plus, so Kernaussagen der neuesten Studie des European Information Technology Observatory EITO. Danach hebt ein Wachstum um 1,1 Prozent die Umsätze mit ITK-Hardware, -Infrastruktursystemen, -Software und -Dienstleistungen auf 641 Milliarden Euro an. "Deutschland liefert zurzeit die schwächsten Werte ab", äußert Bernhard Rohleder jedoch besorgt über die neuen Zahlen. Seiner Meinung nach geht in 2002 die Nachfrage in Deutschland voraussichtlich um 1,3 Prozent zurück und für 2003 rechnet der Hauptgeschäftsführer des Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) "mit einer schwarzen Null".

 

Verlagerung von Hardware hin zu Software und Services

Ein schwacher Hoffnungsschimmer zeigt sich für IT-Freiberufler: Innerhalb der Informationstechnik soll es zu einer weiteren Verlagerung der Nachfrage weg von Hardware hin zu Software und Services kommen. Ein Blick in den internationalen Markt scheint diese Einschätzung zu bestätigen. Marktexperten von Merrill Lynch erwarten für kommendes Jahr einen leichten Anstieg der IT-Investitionen in den USA und Europa um rund drei Prozent. Die Marktforscher der International Data Corporation IDC prognostizieren, dass ein Großteil der Investitionen im Softwaremarkt für Anwendungen wie Betriebssysteme und Unter-nehmenssoftware getätigt werden solle. Dieser Bereich wird nach Schätzungen von IDC bis 2006 ein jährliches Wachstum um über 11 Prozent ausweisen und auf global 131 Milliarden Dollar anwachsen. Für den IT-Service-Markt korrigiert IDC dagegen die Wachstumsrate nach unten. Statt um 10,6 Prozent werde der Markt nur um rund 6,7 Prozent expandieren. In fünf Jahren soll das Marktvolumen rund 572 Milliarden Dollar betragen, was einer durch-schnittlichen Wachstumsrate von 10,6 Prozent ent-spräche.


Projekte im öffentlichen Sektor möglich

Details aus der EITO-Studie zeichnen für Deutschland sogar ein etwas erfreulicheres Bild. Software liegt mit 2,2 Prozent (2002) und 3,0 Prozent (2003) im Plus ebenso wie IT-Services mit 3,7 Prozent sowie 4,6 Prozent. Der Trend gehe zu kleineren, weniger kostspieligen IT-Projekten, die einen schnellen Return-on-Investment versprechen. Im Vordergrund steht dabei die Optimierung der unternehmensinternen IT-Infrastruktur. Die Studie macht sogar Geschäftsfelder für Projekte aus. Dazu gehören die Initiative "eEurope 2005" und nationale Programme wie "BundOnline 2005". Sie haben die Verbesserung der ITK-Ausstattung im öffentlichen Sektor als Ziel. Hier könne mit steigender Nachfrage gerechnet werden. Skills sind für die Integration verschiedener Business-Anwendungen sowie die Implementierung von Sicher-heitslösungen, Web-based-Services und Content Management-Systemen notwendig.

 

Chancen der IT wahrnehmen

BITKOM-Präsident Volker Jung betont: "Die ITK-Wirtschaft besitzt nach wie vor ein enormes Potenzial." Daher mehrt sich Kritik, in der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Lage lediglich auf Kostensenkung zu setzen. Sie dient selten dem nachhaltigen Wachstum der Unternehmen. Vielmehr sehen Kritiker sie lediglich als ein Mittel an, um Analysten und Aktionäre kurzfristig zu beeindrucken. Bei genauerem Hinsehen gibt es bei den wenigsten Unternehmen langfristige Ein-sparungsstrategien. Deshalb hat sich nach nur zwei bis drei Jahren in der Regel ein großer Teil des eingesparten Kostenblocks wieder aufgebaut. So könnten sich Unternehmen ins Aus sparen. "Wenn die McKinsey-Slogans - "30 Prozent sparen" - weiterhin mit brachialen Ansätzen umgesetzt werden nach dem Motto "Koste es was es wolle", muss man zumindest befürchten, dass das eine oder andere Unternehmen Chancen nicht wahrnimmt, die durch die IT ermöglicht werden", urteilt Gerhard Rienecker. "Hier wären Produktivitätssteigerung, Wettbewerbsvorteile, Produkt-innovationen, Services oder auch Customer Relation-ship Management zu nennen." Reduktionen von Ausgaben müssten nach Ansicht des Geschäfts-führers der PASS IT Consulting mit Augenmaß vor-genommen werden und könnten nicht mit der Axt durchgesetzt werden. "Sonst entsteht mittelfristig mehr Schaden als der primäre Einspareffekt an Erträgen ab-wirft.".