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  WIRTSCHAFT - ALLGEMEIN
     
   

IT-Markt: Karussell der Konjunkturprognosen

   

Wenn die Sonne gerade hinter den grauen Wolkenbergen hervorzukommen scheint, gibt es schon wieder den nächsten kalten Schauer: So erleben wir das aktuelle Konjunkturklima. Aussagen deutscher Wirtschaftsforscher deuten an, wie unterschiedlich die Marktprognosen für die IT-Branche sowohl noch für dieses Jahr als auch 2003 ausfallen. Sicher scheint nur: Die goldenen Boom-Zeiten in der IT sind vorbei.

Risiken für die Konjunkturentwicklung

Hoffnung auf einen baldigen Aufschwung hegen deutsche Wirtschaftsforscher wohl allgemein kaum. "Der Konjunkturaufschwung bleibt stecken", meint sogar Prof. Dr. Wolfgang Franz mit Blick auf den deutschen Gesamtmarkt. "Die Konjunkturerwartungen brechen im August um 25,7 Punkte ein. Sie stehen nun bei 43,4 Punkten nach 69,1 Punkten im Vormonat. Das ist der stärkste Rückgang seit zwei Jahren", so der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschafts-forschung (ZEW) weiter. Offenbar fordern nach seiner Ansicht die Verluste am Aktienmarkt nun ihren Tribut. Die ZEW-Analysten aus Mannheim rechnen mittelfristig mit Auswirkungen auf die Wirtschaft. Sie nennen dabei etwa verschlechterte Finanzierungsmöglichkeiten der Unternehmen. Hinzu komme die Zurückhaltung der Konsumenten, wobei das Konsumentenklima seine steigende Tendenz nicht fortsetzen konnte. Risiken für die Konjunkturentwicklung zu Beginn des nächsten Jahres seien nicht zu übersehen.

 

Aufschwung in den Industrieländern festigt sich - mit mageren Zuwächsen

Dagegen wagt das Institut für Weltwirtschaft aus Kiel einen ermunternden Ausblick: "Der Aufschwung in den Industrieländern festigt sich." Nachdem die konjunkturelle Schwäche des vergangenen Jahres überwunden wurde und die Produktion in den Industrieländern zu Beginn des Jahres kräftig zugelegt habe, stellen sich die Kieler die Frage, wie stark und nachhaltig die Auftriebskräfte seien. Allerdings werde vielfach erwartet, dass die Erholung schwach und zögerlich ausfalle. Die konjunkturelle Dynamik im Prognosezeitraum dürfte nicht so hoch sein wie im Boom am Ende der neunziger Jahre. Schließlich sei davon auszugehen, dass die immer noch sehr niedrige Sparquote in den USA weiter steige. Gleich-zeitig komme die Investitionskonjunktur angesichts vorangegangener hoher Investitionen - vor allem bei Gütern der Informations- und Kommunikationstechnik - nur allmählich in Schwung. "Doch das Trendwachstum wird nach unserer Einschätzung trotzdem deutlich überschritten", meinen die Kieler zuversichtlich.
Eine weitere verhalten positive Stimme kommt aus den neuen Bundesländern. "Das Bruttoinlandsprodukt ist zwar gegenüber dem Vorjahreszeitraum noch gesunken, nach dem Tiefpunkt Ende des vergangenen Jahres hat es aber von Quartal zu Quartal jeweils einen Zuwachs von 0,3 Prozent gegeben", berichtet das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). "Die zyklische Wende wurde damit vollzogen." Allerdings bleiben nach Aussagen der Forschungseinrichtung aus Sachsen-Anhalt die mageren Zuwächse selbst hinter den geringen Erwartungen in den meisten Prognosen zurück.


Wachstumsmotor bislang ohne Triebkraft

Für die IT-Branche besonders skeptisch äußert sich das Hamburgische Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA). Die Schwäche im IT-Sektor, der in den neunziger Jahren maßgeblich die Expansion getragen hatte, sei nicht überwunden, heißt es. Die wirtschafts-wissenschaftliche Serviceeinrichtung der Leibniz-Gemeinschaft (WGL) urteilt weiter: "Wenn sich der Rückgang der Nachfrage nach IT-Gütern auch bereits im vergangenen Sommer stabilisiert hatte, zu einer nachhaltigen Erholung ist es noch nicht gekommen." Bisher zeichne sich nicht ab, dass von dem Wachstumsmotor der neunziger Jahre schon bald wieder Triebkraft ausgeht.

 

Tiefpunkt im IT-Markt erreicht

Diese Einschätzung bleibt nicht unwidersprochen. Beobachter des IT-Marktes sehen die Lage etwas differenzierter. Nach Meinung der Insider scheint der weltweite Informations- und Kommunikationstechnik-Markt seinen vorläufigen Tiefpunkt - bedingt durch rückläufige Hardware-Märkte und dunkelrote Zahlen bei den Telekommunikations-Netzbetreibern und ihren Zulieferern - erreicht zu haben. Denn Marktzahlen ebenso wie Prognosen signalisieren eine Erholung. Darin sind sich die Marktforscher von EITO (European Information Technology Observatory), Dataquest, Frost & Sullivan oder Strategy Analytics einig. EITO sagt der Branche für 2003 wieder ein knapp zweistelliges Wachstum voraus. Der Markt für IT-Services in Deutschland hatte im Jahr 2001 ein Volumen von 21 Milliarden Euro. IDC-Analysten prognostizieren bis 2006 eine durchschnittliche, jährliche Wachstumsrate von zehn Prozent. Auch der Mobilfunk-Markt beginnt sich wieder zu stabilisieren. Die Umsätze aus dem weltweiten Handygeschäft sollen aus optimistischer Sicht in diesem Jahr bereits wieder um acht Prozent zulegen.

 

Interesse an spektakulären Technologien erlahmt

Jedoch ist das aktuelle Interesse an einer Reihe von vordem spektakulären Technologien zurückgegangen und somit auch Projektperspektive geschmälert worden. Ein Beispiel gibt das Segment drahtlose Netzwerk- und Internetzugänge per Wireless Wide Area Networks (W-WAN). Hier leiden die Anbieter unter der wirtschaftlichen Krisensituation. Im letzten Jahr musste die Branche einen Umsatzrückgang von 28 Prozent verkraften und das weltweite Marktvolumen reduzierte sich von 4,59 Milliarden US-Dollar (2000) auf 3,31 Milliarden, wie eine Analyse der Unternehmens-beratung Frost & Sullivan belegt. Erst ab 2004 sollen demnach die Einnahmen wieder langsam steigen und knapp vier Milliarden US-Dollar im Jahr 2008 erreichen.

 

Einige dynamische Trendthemen

Doch es gibt auch dynamische Trendthemen. Bei M-Commerce oder CRM-Services etwa werden nach Reports von Frost & Sullivan und Dataquest kräftige Zuwachsraten erwartet. Zudem kämen vom Software-, aber auch vom IT-Service-Markt Impulse, um die pessimistische Branchenstimmung aufzuhellen. Wachstumsträger scheinen IT-Security ebenso wie Business-Intelligence-Lösungen zu sein, weiterhin Content- und Web-Management-Systeme.