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  WIRTSCHAFT - ALLGEMEIN
     
    Hilfe zur Selbsthilfe - Arbeitskreise für Freiberufler
   

Oftmals suchen Freiberufler fachlichen und unternehmerischen Erfahrungsaustausch mit anderen Einzelunternehmern. Aber ob Stammtisch oder fach-liche Diskussion - nicht selten scheitert der Kontakt-wunsch an der organisatorischen Vorbereitung. Eine etablierte Plattform bietet die Gesellschaft für Informatik an.

Gesellschaft für Informatik

"Mich würde ein Freiberuflerstammtisch interessieren. Ich hatte sogar schon erwägt, eine Anzeige in die Zeitung zu setzten." Wie dieser IT-Freiberufler wollen auch andere "Einzelkämpfer" Erfahrungen austauschen, wollen hören, wie bei Selbständigen in der IT-Branche das Geschäft läuft. Vor allem steht der Kontakt zu dem "Kollegen" aus dem Bereich Informationstechnik im Vordergrund. Doch oftmals scheitern die Versuche, Arbeitskreise und Freiberufler-Treffen vorzubereiten, an mangelnder Zeit.

Hier bietet die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) eine mittlerweile erprobte Plattfor-men ohne großen Overhead an. Die größte Organisation für Informatik in Deutschland mit über 21.000 Mitgliedern will auch Selbständige in der Informatik unterstützen. Der im September 1995 gegründete Beirat für Selbständige bietet "Hilfe zur Selbsthilfe, fördert die Transparenz von Anbietern und Vermittlern, vertritt die Interessen der selb-ständigen Informatiker nach innen und außen, stellt eine Informationsplattform für alle Interessierten zur Verfügung und vertritt die selbständigen Informatiker in Deutschland im Bundesverband der freien Berufe." Nicht zu den Aufgaben gehören die Vermittlung von Aufträgen oder der Vertrieb von Produkten.

 

Freiberufler-Arbeitskreis

Freiberufler-Arbeitskreise sind einerseits bei der jeweiligen Regionalgruppe oder auch bei dem deutschlandweit zuständigen Beirat für Selbständige der GI angesiedelt. Es gibt keine geregelten Meldewege für Freiberufler, ihre Zahl lässt sich nur schätzen, Adressenverzeichnisse bestehen nicht. So kommt vor allem zusammen, wer echtes Interesse an einem Erfahrungsaustausch hat und daran mitwirken will, haben die Initiatoren erfahren.
Das inhaltliche Angebot der Arbeitskreise ist klar umrissen. Ausschließlich Fragen der Selbständigkeit stehen auf dem Programm. Zu den Vortragsthemen im Münchner Kreis gehört etwa der Aspekt "Vertrieb": Neue Projekte, wie verkaufe ich mich, wie komme ich an Aufträge, Sozialkompetenz sowie Vertragsgestaltung. Beim Projekt "Vertragsgestaltung" steuern Freiberufler eigene Verträge bei, Juristen unterstützen deren Analyse. Für Vorträge laden die Freiberufler Fachreferenten ein, sie erarbeiten auch selbst Themen wie etwa Unternehmensgründung.
In Hamburg entsteht eine neue Plattform für den Erfahrungsaustausch zwischen selbständigen Informatikern. Weiterhin etabliert sich ein Netzwerk zu beruflichen Zielen und Projekten. Das Ziel eines ersten Projektes lautet, Leistungseigenschaften für klare Aufgabenbeschreibungen durch Auftraggeber zu erstellen.

 

Sprecher im GI-Beirat

Sprecher der Arbeitskreise sind IT-Freiberufler, die den IT-Markt sowie die Projektar-beit kennen. Ulrich Bode (www.ulrich-bode.de) ist Sprecher im GI-Beirat für Selbständige. Sprecher des Arbeitskreises in der Regionalgruppe München ist Thomas Matzner (tamatzner@acm.org), für Frankfurt sind Rolf Frieling (frieling@t-online) und für den Arbeitskreis Stuttgart Gottfried Wollboldt (wollboldt@aol.com) als Sprecher aktiv.

 

Wissenstransfer allgemeine Informatik

Die Organisationsteams der Regionalgruppen in Frankfurt am Main, München, Stuttgart und Hamburg bieten Wissenstransfer ebenfalls über allgemeine Informatik in mehreren Fach-Arbeitkreisen an. Einmal pro Monat treffen sich Freiberufler aus der Rhein-Main-Region beispielsweise in Darmstadt in den Räumen eines Softwarehauses. Workshop-Themen sind etwa Projektmanagement, IT Balanced Scorecard oder auch automatisierte Softwaretests, Internet, Software Engineering sowie Technologietrends. Ein Highlight im Jahr 2001 verzeichnete die Rhein-Main-Gruppe sicherlich mit dem Vortrag über die Geschichte des Computers von Dr. Ing. Zuse. Treffpunkt des Stuttgarter Arbeitskreises ist meist die Berufsakademie Stuttgart. Zu den Schwerpunkten im Stuttgarter Arbeits-kreis gehören ISO 9000, Qualitätsmanagement und - Sicherung, TCP/IP, JAVA oder auch Geschäftsprozesse als Basis für die Software-Entwicklung. Die Veranstaltungen sind öffentlich, der Eintritt ist frei, eine Mitgliedschaft bei der GI ist nicht erforderlich.

 

IT-Verbände sind für Freiberufler kaum eine Alternative

Bestehende IT-Verbände sind für Freiberufler kaum eine Alternative. Große Branchen-Organisationen richten sich nahezu ausschließlich an Anbieter und Hersteller von Hard- und Software. Für Einzelunternehmer ist oftmals eine Mitgliedschaft nicht vorgesehen. Eine Branchenorganisation der Softwareindustrie versteht sich beispielsweise als Interessenvereinigung der Softwarehäuser und nennt als Mitglieder Firmen aus den Berei-chen Software-Herstellung, Distribution, Handel und Dienstleistung. Deutsche Unter-nehmensberater sprechen in ihrem Wirtschafts- und Berufsverband besonders Manage-ment- und Personalberater an. Laut Verbandsstatistik sind rund 16.000 Berater organisiert, sie verteilen sich jedoch nur auf 540 Mitgliedsfirmen. Die Mitgliedsunternehmen erzielten 2001 einen Gesamtumsatz von weit über drei Milliarden Euro und halten einen Marktanteil von mehr als 25 Prozent.
Der größte Bundesverband für Unternehmen der Informationswirtschaft, der Telekom-munikation und der neuen Medien vertritt nach eigenen Angaben 1.250 Unternehmen, davon etwa 670 als Direktmitglieder. Hierzu gehören fast alle großen Marktteilnehmer der Branche sowie mehr als 500 kleinere und mittelständische Unternehmen. Die Mit-glieder erzielen einen Jahresumsatz von mehr als 115 Milliarden Euro und beschäftigen rund 700.000 Mitarbeiter. Der Mitgliedsbeitrag liegt bei 2.000 Euro pro Jahr. Startups zahlen im Gründungsjahr 500 und im nachfolgenden Kalenderjahr 1.000 Euro.
Organisationen, die sich direkt an den IT-Freiberufler richten, seien oftmals durch die kommerziellen Interessen der Verbandsgründer geprägt, ist von Freiberuflern zu hören. Ihre Kritik richtet sich gegen die Jahresbeiträge ebenso wie zu wenige tatsächlich nutz-bringende technisch-fachliche sowie unternehmerische Wissensangebote.

 

Usergroups mit großer Informationsbandbreite

Von Freiberuflern noch kaum entdeckt scheinen Usergroups von Herstellern wie die "Guide Share Europe" (GSE) der IBM zu sein. (siehe auch Beitrag vom 19. Juni 2002: "Budgets für IT-Freiberufler stehen bereit". Hier ist eine Mitgliedschaft für Einzelpersonen für 300 Euro pro Jahr möglich. Dafür kann das Mitglied an über 60 Workinggroups kostenlos teilnehmen. Die GSE ist die europäische Benutzervereini-gung von mehr als 1500 Unternehmen, die Systeme sowie Produkte von IBM im Bereich Informationstechnologie einsetzen oder einsetzen wollen. Die Vorteile einer Mitgliedschaft für Freiberufler liegen zum einen im persönlichen Kontakt zu Projektverantwortlichen und IT-Entscheidern. In den unterschiedlichen Arbeitsgruppen können externe IT-Spezialisten mehrmals jährlich mit Experten aus den Mitgliedsfirmen, der IBM und anderen Partnern, unter dem Motto "give and take" zusammentreffen. Zum anderen bieten GSE-Informationsangebote eine umfassende Bandbreite an Themen. Sie reichen vom PC bis zum Großrechenzentrum, von der Bürokommunikation über Datenbanken bis zu Anwendungsentwicklung und E-Business. Die Arbeitsgruppen umfassen technische und organisatorische Fragestellungen sowie Management-Aspekte. Bei den zweitägigen Veranstaltungen bezahlt der Teilnehmer nur Übernachtung und Verpflegung. Wie die Usergroups mancher anderer IT-Anbieter ist auch die GSE eine Non-Profit-Organisation.