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  WIRTSCHAFT - ALLGEMEIN
     
    Nicht nur Resignation in der Branche
   

Wen interessieren nicht die Branchenaussichten angesichts verschiedener düsterer Meldungen und einer unsicheren Marktentwicklung? Es gibt nicht nur eine Antwort beim Blick in die Branchenzukunft. Eher ist ein vielfältiges Meinungsbild zu beobachten. Doch es herrscht nicht nur Resignation vor.

Rückblick auf 2001

Ein Rückblick auf das wirtschaftliche Tief im Jahr 2001 vermittelt allgemein den Eindruck: Es kann nur aufwärts gehen. Der deutsche Markt für Informationstechnik und Telekommunikation (ITK) ist im vergangenen Jahr lediglich um 1,7 Prozent auf ein Volumen von 137,8 Milliarden Euro gewachsen. Die ITK-Industrie hat eines ihrer schwierigsten und turbulentesten Jahre abgeschlossen. Damit gehören die Märkte der Informations- und Kommunikationstechnik in Deutschland die Spitzengruppe der führenden Wirtschaftsbereiche und halten einen Anteil von 6,8 Prozent am Bruttoinlandsprodukt.

 

2003 soll die Nachfrage anziehen

Der Präsident des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM), Volker Jung, prognostizierte im März 2002 den allmählichen Aufschwung: In laufenden Jahr werde das Wachstum mit plus 4,2 Prozent auf 143,6 Milliarden Euro wieder einen akzeptablen Wert erreichen. . Damit behauptet sich Deutschland weltweit mit einem Anteil von 5,8 Prozent als drittgrößter Markt nach den USA (33,7 Prozent) und Japan (12,5 Prozent).

Nach der Studie von NFO Infratest wird Deutschland im E-Commerce seinen Umsatz 2002 auf 47,9 Milliarden US-Dollar ausbauen können und bleibt mit einem Anteil von 28,4 Prozent Marktführer in Westeuropa vor Großbritannien und Frankreich. Deutschlands Anteil am E-Commerce-Weltmarkt wird 2002 auf 4,8 Prozent steigen, bis 2004 wird er sich nach Schätzungen der Experten auf neun Prozent erhöhen.

In 2003 soll die Nachfrage dann weiter spürbar anziehen und um 8,6 Prozent auf 156 Milliarden Euro zulegen. Markttreiber sind in diesem Jahr abermals die Mobilkommunikationsdienste mit einem Plus von elf Prozent sowie Internet-Dienste mit einem Zuwachs von 20 Prozent. Diese Zahlen des BITKOM signalisieren, die Phase der Konsolidierung sei weitgehend abgeschlossen. Die ITK-Branche sei schließlich das Nervensystem der modernen Wissensgesellschaft und finde als Querschnittstechnologie Einsatz in allen Industriebereichen.

 

Forschungsinstitute mit optimistischen Prognosen

Beim Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) wie auch bei anderen bestimmenden Forschungsinstituten für Wissenschaft, Wirtschaftspolitik und Wirtschaft wird davon ausgegangen, dass sich die Konjunktur in Deutschland in der ersten Hälfte dieses Jahres stabilisiert. In der zweiten Jahreshälfte soll es zu einer deutlichen Erholung kommen. Im nächsten Jahr wird sich der Aufschwung fortsetzen.

 

BDU-Stimmungsbarometer zeigt leicht nach oben

Die im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU e.V. organisierten Beraterfirmen sehen erste Anzeichen für einen Wirtschaftsaufschwung in Deutschland. Jedoch erwarten die Unternehmensberater bis zum Herbst noch keine Impulse für den Arbeitsmarkt. Dies ist das Fazit eines BDU-Stimmungsbarometers zur künftigen Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Allerdings kann es in der Investitionsgüterindustrie, der Dienstleistungsbranche und den TIMES-Branchen Verkehr/Medien/IT sowie Energie/Wasser bei Ergebnissituation, Umsatzentwicklung, Innovations- und Investitionstätigkeit sowie Beschäftigungssituation in den kommenden sechs Monaten voran gehen.

 

Innovationstätigkeit in Bewegung

Immerhin rund 53 Prozent der BDU-Mitglieder beurteilen die Innovationstätigkeit beispielsweise von Produkt- oder Prozessinnovationen bis Herbst 2002 mit "stark zunehmend" oder "eher zunehmend". Etwa 20 Prozent gehen von einer "etwas oder stark abnehmenden" Innovationstätigkeit aus. Die stärkste Zunahme an Innovationen erwarten die Berater in der TIMES-Branche und in der Investitionsgüterindustrie.

 

Unsichere Arbeitsplätze

Knapp 70 Prozent der Unternehmensberater sind der Meinung, dass die Arbeitsplatzsicherheit in deutschen Unternehmen in den kommenden sechs Monaten im Vergleich zu heute abnehmen wird. Nur 15 Prozent halten die Arbeitsplätze für sicher.

Einen Stellenabbau prognostizieren die Berater vor allem für das Kredit- und Versicherungswesen, die Konsumgüter- sowie die Gebrauchsgüterindustrie. Hier werden Rationalisierungen durch den Einsatz von neuen Techniken vorangetrieben. Daher sehen die Unternehmensberater Chancen für neue Jobs und Projekte nur in der Dienstleistungsbranche, bei Verkehr, Medien sowie IT und im Gesundheitswesen.

 

IT-Marktforscher sind eher verhalten

IT-Marktforscher bleiben nur verhalten optimistisch. Während die International Data Corporation (IDC) eine Erholung in den nächsten 18 Monate voraussagt, stellt die Gartner Group zunächst lediglich fest, der Rückgang bei IT-Ausgaben in Wirtschaft und Behörden sei gestoppt. Doch bis Ende 2003 sollen die IT-Investitionen auf niedrigem Niveau verharren. Wie die jüngste Erhebung von Gartner ausweist, werden sieben von zehn befragten westeuropäischen Unternehmen ihre IT-Ausgaben in diesem Jahr gegenüber 2001 nicht steigern, eher noch herunterfahren. Jeder Vierte wolle die Budgets für 2003 einfrieren.

Einen Hoffnungsschimmer sieht IDC für erst das Jahr 2004.

Nutznießer der wirtschaftlichen Stagnation seien allein Outsourcer und Anbieter jener Software und Lösungen, die Kosten senken und die Effizienz steigern könnten. Einen besonderen Abschied von der Ära der allmächtigen IT meint die Research-Company Dataquest zu erkennen. Für das IT-Management entstehe eine besondere Hemmschwelle, denn die IT-Division könne nicht mehr allein über das IT-Budget verfügen. Fachabteilungen bedienten sich mit aus dem Topf.

 

Angeschlagene IT-Konzerne

Hierzu passen die Aussagen großer deutscher IT-Unternehmen. Sie machen nur bedingt Hoffnung auf baldige Belebung der IT- und Telekommunikationsbranche. Gerade die Ergebnisse für das beendete Quartal zeigen ein angeschlagenes Wirtschaftssegment. Ob bei Servern, Handhelds oder im TK-Markt - es herrschen trübe Aussichten vor. In Mitleidenschaft gezogen ist auch die Softwarebranche zusammen mit dem Beratungs- und Systemintegrationsmarkt. Selbst solche Top-Themen wie Enterprise Application Integration oder IT-Security stehen unter dem Einfluss der Krise.

 

Marktchancen entgegen dem Trend

Doch Statistiken und Zahlen können immer nur einen Ausschnitt des Marktes widerspiegeln. Gerhard Rienecker, Vorsitzender der Geschäftsleitung der PASS Consulting Group, erkennt entgegen dem Trend Marktchancen und beurteilt die Marktentwicklung positiv. Er sieht Potenziale etwa bei E-Business und m-Business, insbesondere e-CRM, Kostenoptimierung und Betriebsoptimierung, Business Integration und Projektmanagement. "Unsere Kunden wollen Kosten reduzieren, und als kundenorientierter Dienstleister helfen wir ihnen dabei. Wir haben seit Mitte letzten Jahres neue Konditionsmodelle, neue Serviceprodukte und Communities am Markt etablieren können, die uns geholfen haben, die schwierige Situation zu meistern."