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  WIRTSCHAFT - ALLGEMEIN
     
    IT-Branche im Wechselbad der Gefühle
   

Mitte Januar 2002 berichtete profi4project.com über "Hoffnungsschimmer: Im Jahr 2002 geht es wieder aufwärts". Seitdem erlebt die IT-Branche ein Wechselbad der Gefühle. Immer wieder durchbrechen einzelne Umfrage-Ergebnisse wie Lichtstahlen das düstere Wirtschaftsbild. Hierzu zählt, dass Beratungs- und Implementierungsleistungen weiter gefragt sein werden. Ebenso scheinen erhebliche Potenziale für Projektvorhaben im Internet- und Telekommunikationsfeld zu bestehen.

European Information Technology Observatory (EITO) mit motivierenden Impulsen

Ob jüngste Ergebnisse zu einem Aufatmen reichen, ist unklar. Dennoch gibt eine aktuelle Studie des European Information Technology Observatory (EITO) motivierende Impulse: Die IT-Umsätze im westeuropäischen Markt für Informationstechnik und Telekommunikation sind demnach im vergangenen Jahr um 5,1 Prozent auf 643 Milliarden € gestiegen. Für 2002 rechnen die EITO-Experten mit einem Wachstum des europäischen Markts um 5,4 Prozent auf einen Wert von 678 Milliarden €. Den Markt antreiben sollen vor allem Software-Produkte, IT-Dienstleistungen und Mobilfunkdienste.
Ein Blick zurück in die vergangenen Jahre lässt erkennen, wie heißgelaufen die ITK-Branche weltweit war. Sie konnte ihre Umsätze in den zurückliegenden acht Jahren verdoppeln. Im Jahr 2000 wurde ein Rekordwachstum von knapp 13 Prozent erzielt. Diese Werte konnten in 2001 nicht gehalten werden. Die Wachstumsrate fiel auf 4,4 Prozent. Das Volumen des ITK-Weltmarkts betrug Ende vergangenen Jahres 2.292 Milliarden €.
Nach Ansicht von EITO wird das Wachstum des Weltmarkts in diesem Jahr vor allem von den Ländern Asiens und Teilen Lateinamerikas getragen. Demgegenüber stagnierten die Umsätze in den USA. Durch diese Entwicklung ist der Anteil der USA am Weltmarkt auf nunmehr 34 Prozent zurückgegangen. Europa macht 29 Prozent aus. Erst im Jahr 2003 werden die Zuwächse mit voraussichtlich 9,8 Prozent wieder ein knapp zweistelliges Niveau erreichen.

 

Informationstechnik wird Dienstleistungsbranche

Als Ende 2001 weltweit mehr als 150 IT-Procurement-Manager nach ihren Prioritäten für das Jahr 2002 befragt wurden, zeigte sich ein Trend zu Service und Sicherheit. Knapp die Hälfte der Teilnehmer wollen demnach Content- und Dokumenten-Management-Software, 43,7 Prozent Web-Analyse-Werkzeuge und 42,6 Prozent Software für Kundendienst und -unterstützung anschaffen. Im Infrastrukturbereich herrschten Security-Gateways und Services mit 55,3 Prozent vor. Ihnen folgten von Netz- und System-Management (55,2 Prozent) sowie Backup und Recovery (50,5 Prozent).
IT wandele sich europaweit zu einer Dienstleistungsbranche, greift EITO diese Entwicklung in ihrer Prognose auf. Dabei sollen die größten Potenziale in den Bereichen Software und IT-Services liegen. Maßgebliche Wachstumsimpulse kommen aus der Enterprise Application Integration, aus Sicherheitslösungen sowie E-Government. Hierbei sind vor allem Beratungs- und Implementierungsleistungen gefragt.
Besonders den B2B-E-Commerce-Sektor betrachtet die internationale Research-Firma International Data Group (IDC) optimistisch. Eine jüngste IDC-Umfrage unter 600 Unternehmen belegt, dass zwar die E-Business-Aktivitäten gerade erst ins Rollen kommen. Zumindest partiell sei jedoch jedes Unternehmen - ungeachtet des Dotcom-Sterbens - bereits im Web aktiv.

 

Beratungsfeld IT-Beratung/IT-Services im Minus

Doch zunächst sei die Nachfrage nach IT-Beratungsprojekten merklich zurückgegangen, wie der deutsche Branchenverband der Unternehmensberater konstatieren muss. Der Bundesverband Deut-scher Unternehmensberater BDU e.V. sieht nämlich, dass statt dessen Strategie- und Reorganisati-onsprojekte zugenommen haben. Verdeutlicht wird diese Entwicklung durch das Wachstum der einzelnen Beratungsfelder. Während die Organisationsberatung im Vergleich zum Vorjahr um 17,8 Prozent und die Strategieberatung um 11,5 Prozent zulegte, musste das Beratungsfeld IT-Beratung/IT-Services ein Minus von 5,7 Prozent hinnehmen. Unternehmen hätten ihre Investitio-nen in innovative Projekte zu Gunsten von kostenreduzierenden Sofortmaßnahmen aufgeschoben oder storniert.

 

Fortschrittsbericht "Informationsgesellschaft Deutschland"

Einen Lichtblick gewähren die Ergebnisse des Fortschrittsberichts "Informationsgesellschaft Deutschland". In diesem Bericht zieht die Bundesregierung eine erste Bilanz des Aktionspro-gramms "Innovation und Arbeitsplätze in der Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts", das im September 1999 startete. Lob zollte etwa der IT-Banchenverband BITKOM insbesondere dem Engagement der Bundesregierung für den Zugang aller Bevölkerungsschichten zu den neuen Me-dien: Ihr Ziel, wichtige Impulse für eine stärkere und breitere Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnik zu geben, habe die Bundesregierung erreicht.
In dem Bericht erscheint die Branche für Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK-Technologien) als bestimmende Wirtschaftsgröße. Mit über 800.000 Beschäftigten und einem An-teil von sieben Prozent am Bruttoinlandsprodukt sei die IT zu einer führenden Branche in Deutsch-land geworden. Beleg dafür seien auch die zeitweise zweistelligen jährlichen Zuwachsraten. Von ihnen gingen entscheidende Impulse für Wirtschaftswachstum und Beschäftigung aus. Mit einem Umsatz von 20 Milliarden € sei Deutschland beim E-Commerce auf Platz eins in Europa, hebt der Bericht hervor.
Erhebliche Potenziale scheinen laut Ergebnissen des "Fortschrittsberichts" für nächste Projektvor-haben im Internet- und Telekommunikationsfeld zu bestehen. Gerade bei den Internet-Zugangstechnologien können Nutzer zwischen einer bislang nicht gekannten Vielfalt von Zugangs-technologien wählen. Das Spektrum reicht von Hochgeschwindigkeits-Anschluss mit Standleitung, per DSL, Wireless LAN oder Satellit, weiter über Internet via TV-Kabelnetz, das Handy, ISDN und bis hin zur traditionellen analogen Telefonleitung. Selbst die Netze der Energieversorger über die neue Technologie Power Line Communications können in einigen Regionen bereits für den Inter-net-Zugang genutzt werden. Vor allem breitbandige Zugangstechnologien sind auf dem Vormarsch.

 

Software und Service mit durchschnittlichem Wachstum

Gedämpften Optimismus legt die Management- und Technologieberatung Diebold in ihrer aktuel-len Trendanalyse für den deutschen Software- und IT-Service-Markt an den Tag. Software- und Service werde in diesem Jahr ein durchschnittliches Wachstum von acht Prozent erreichen. Dies entspricht einem Marktvolumen von 34,2 Milliarden Euro. Verglichen mit dem Vorjahr bedeutet dies eine Steigerung um 0,9 Prozentpunkte. Aufgesplittet in die einzelnen Segmente des Marktes, ergibt sich folgendes Bild: Software-Produkte wie etwa Systemsoftware und Standardapplikationen werden um 8,3 Prozent wachsen, also 15,3 Milliarden Euro. Auf Platz zwei rangieren Software-Projekte wie IT-Consulting und Entwicklungsprojekte mit 8,2 Prozent (10,08 Milliarden Euro). IT-Services wie Outsourcing, IT-Training oder Equipment-Services haben im Vergleich zum Vorjahr das höchste Wachstumspotenzial. Waren es 2001 noch 5,3 Prozent, sind für das laufende Jahr 7,3 Prozent (8,83 Milliarden Euro) möglich.

 

48 Prozent: Wirtschaftslage bessert sich in sechs bis zwölf Monaten

Wie zwiespältig Wirtschaftsprotagonisten die Perspektiven interpretieren, zeigt eine Untersuchung des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Ernst & Young. Danach beurteilen Investoren die Chance für einen baldigen Aufschwung der Wirtschaft zurückhaltender als Unternehmer. Während die Mehrheit der Geldgeber den Beginn des Aufschwungs erst für das Jahr 2003 erwartet, sind die Un-ternehmer optimistischer. Immerhin glauben 48 Prozent, dass die Wirtschaftslage sich schon in sechs bis zwölf Monaten bessere. Die 450 befragten europäischen High-Tech-Unternehmen, Ven-ture Capitalisten, Investment-Banker und Investoren sind sich jedoch einig, dass der Aufschwung nicht später als Mitte 2003 einsetzen wird. Allerdings wird auch eine Besserung der Wirtschaftsla-ge noch in den kommenden sechs Monaten nahezu ausgeschlossen - nur sechs Prozent hegen diese Erwartung.
Mit Blick auf die unmittelbare Zukunft des eigenen Unternehmens herrscht in der Ernst & Young-Untersuchung eine abwartende, aber insgesamt hoffnungsvolle Haltung vor: Bei Prognosen zur näheren Zukunft ihrer Unternehmen äußern sich 70 Prozent der Befragten vorsichtig positiv bis optimistisch. 30 Prozent erwarten von den kommenden Monaten eher schlechte Nachrichten. Lang-fristig gehen die High-Tech Unternehmer von einer insgesamt positiven Entwicklung aus. Hier reduziert sich der Anteil der Skeptiker auf 17 Prozent. Offensichtlich sehen die Unternehmer die kommenden Monate als Durststrecke an, die es durchzustehen gilt.