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  WIRTSCHAFT - ALLGEMEIN
     
   

Hoffnungsschimmer: Im Jahr 2002 geht es wieder aufwärts

   

Die IT-Branche durchleidet derzeit ein ausgeprägtes wirtschaftliches Tief. Dunkle Zeiten für die IT, denn das Budget bleibt auf das Kerngeschäft beschränkt. Allerdings entdecken Marktbeobachter bereits einen ersten Hoffnungsschimmer am Horizont. Besonders beim E-Business scheint es mit Investitionen wieder voran zu gehen.

US-amerikanische Unternehmen

Kurz vor dem Jahreswechsel machte es die Meta Group (www.metagroup.com) offiziell: Zum ersten Mal in der Geschichte gehen die Ausgaben für IT-Investitionen stark zurück. Dieses Ergebnis war in der Studie "Worldwide IT Trends & Benchmark Report 2002" zu lesen. Schmerzliche Folgen des weltweiten wirtschaftlichen Abschwungs zeigten sich für die Unternehmens-IT bei Kosten, Praktiken oder Leistungsfähigkeit. Experten der Beratungsgruppe prognostizierten, dass die Gesamtaufwendungen für IT in den US-amerikanischen Unternehmen im Jahr 2002 - im Vergleich zu einem geschätzten Anstieg von acht Prozent in 2001 - um zwei bis fünf Prozent zurückgehen. In vielen Firmen würden die IT-Budgets auf das Kerngeschäft beschränkt, besonders die Infrastrukturentwicklung sowie der Rechenzentrumsbetrieb. Dabei stünden Kosteneinsparungen im Mittelpunkt. Für nicht-amerikanische Unternehmen erwarten die Experten der Meta Group gleich bleibende Budgets. Hier betrugen die geschätzten Ausgabensteigerungen sechs Prozent im Jahr 2001. Über die Hälfte der befragten Chief Information Officers (CIOs) haben ihre Budgets bereits an das derzeitige wirtschaftliche Klima angepasst. In Web-basierte Technologien wie CRM- und E-Commerce-Projekte wird allerdings nach wie vor investiert; im Mittelpunkt stehen dabei Rechenzentren, Betrieb und Infrastrukturentwicklung.

 

Die Marktsituation in Deutschland

Zahlen für Deutschland erhob der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM, www.bitkom.org) in seinem Branchenbarometer. "Die Marktsituation hat sich zwar in einzelnen Marktsegmenten weiter verschärft. Für das Jahr 2002 zeigen die Indikatoren insgesamt aber überwiegend nach oben", zeigte Willi Berchtold Zuversicht. Die Mehrheit der IT-Unternehmen erwartet nach Ansicht des Vizepräsidenten des BITKOM künftig eine Umsatzsteigerung. Ein Fünftel rechnet für 2002 mit einer stabilen Nachfrage auf Vorjahresniveau. Pessimistisch in die Zukunft blicken nur 14 Prozent der befragten Firmen: Sie rechnen im kommenden Jahr mit einer sich verschlechternden Geschäftsentwicklung in ihrem Unternehmen. Services, Software, Internet- und Mobilfunkdienste wirken als Motoren des ITK-Marktes. Jedes zweite Unternehmen hat zusätzliches Personal eingestellt. Bis zu 80 Prozent der in diesen Segmenten tätigen Unternehmen rechnen im kommenden Jahr mit steigenden Umsätzen.

Wie die BITKOM-Branchenumfrage ergab, entwickelte sich auch im Jahr 2001 die Beschäftigung leicht nach oben. Lediglich 21 Prozent der befragten Unternehmen mussten Arbeitsplätze abbauen, vor allem in der Hardwareherstellung. Dem gegenüber haben 39 Prozent der Unternehmen zusätzliche Mitarbeiter eingestellt, bei 40 Prozent blieb die Beschäftigungssituation stabil.

Personaldefizite werden nach wie durch Freiberufler ausgeglichen. Oftmals finden sich nämlich intern nicht genügend Fachkräfte mit ausreichend marktgerechten Skills. Daher werden externe Qualifikationen engagiert, um Prozessabläufe effektiver zu strukturieren und implementieren.

Projekt-Optimismus zeigt die Gartner Group (www.gartnergroup.com): In 2002 sollen die IT-Ausgaben steigen. 70 Prozent der Investitionen in neue Applikationen und 50 Prozent der neuen Infrastruktur werden in Zusammenhang mit E-Business getätigt, so die Aussage der Gartner-Studie "Trends und Visionen in der Informationstechnologie 2002". Dem entsprechend begehrt sind IT-Experten. High Potentials im IT-Sektor werden nach wie vor händeringend gesucht, aber mit einem hohen qualitativen Anspruch. Besonders gute Chancen haben laut Gartner-Studie jene Fachkräfte, die technisches Wissen zusammen mit Management-Skills aufweisen.

 

Kampf um Spitzenkräfte in Europa

In Europa besteht laut Gartner ein "War of Talents": Gerade in 2002 zieht der Bedarf nochmals stark an. Es werden zwölf Millionen IT-Professionals benötigt. "Allerdings sind davon 1,5 Millionen zu wenig am Markt," betont Wolfgang Franklin, Senior Director Executive Programs Gartner. Die IT-Integration werde als Kern des E-Business-Modells zur Chefsache erklärt. Für 2002 planen Unternehmen, ihren Fachberaterstab in stark wachsenden Segmenten wie Customer Relationship Management teilweise zu verfünffachen. Deshalb können IT-Professionals, die auf Implementierungsprojekte im Enterprise Ressource Planning (ERP)-, Customer Relationship Management (CRM)- und Supply Chain Management (SCM)-Umfeld spezialisiert sind, trotz allgemeiner Krisenstimmung aufatmen.

 

Chancen von Internet und E-Business

Die Technologien werden einfacher, weil intelligenter. "Der Innovationsbedarf wird wachsen, so dass trotzdem technologisches Skill gekoppelt mit Einschätzungsfähigkeit und Beherrschbarkeit ein relevantes Beratungsthema bleiben", urteilt Gerhard Rienecker. Diese Skills sind besonders für den Einsatz von Internet und E-Business notwendig. Dem Geschäftsführer der PASS IT-Consulting aus Aschaffenburg (www.pass-consulting.com) pflichtet daher E-Business-Spezialist Erwin Lammenett bei: "Chancen und Möglichkeiten in diesem Sektor sind nach wie vor so gewaltig, dass sie in fünf bis sechs Jahren selbstverständlicher Bestandteil vieler Geschäftsprozesse sein werden", ist sich der Vorsitzende der Arbeitsgruppe E-Business im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU e.V. (www.bdu.de) sicher. Weitere aktuelle Marktwerte stützen seine Prognose.

Hohen Bedarf bei E-Business an Projektfachleuten und Beratern stellte nämlich die CDI Deutsche Private Akademie für Wirtschaft GmbH (www.cdi.de) fest. In zwölf Prozent aller analysierten IT-Offerten wurden E-Business-Erfahrungen gewünscht. An der Spitze des IT-Anforderungsprofils stehen hierbei Qualifikationen auf den Gebieten Softwareentwicklung, Internet, Intranet und Groupware sowie Netzwerke. Die Nachfrage nach E-Business-Projektmanagern und -Beratern ist am höchsten, gefolgt von E-Business-Entwicklern und E-Business-Produktmanagern.

 

Nachfrage nach Beratung

"Das Beratungsgeschäft wird an Intensität, Komplexität und Volumen zunehmen, da durch die hohe Innovationsgeschwindigkeit Entscheidungsprozesse immer häufiger fundiert vorbereitet werden müssen", konstatiert PASS IT-Consulting-Geschäftsführer Rienecker. Er weist darauf hin, dass Beratung schließlich Entscheidungsfindung und -vorbereitung sei. "In Europa fließen lediglich 0,2 Prozent des Bruttosozialproduktes in die Beratung, in den USA sind es 0,5 Prozent. Hier sind also 150 Prozent Wachstumspotenzial in den nächsten Jahren möglich, eine 1,5-fach erhöhte Nachfrage nach Beratung."