MAGAZIN
zurück
  WIRTSCHAFT - ALLGEMEIN
     
    Auto-Schnäppchen-Markt Europa: 16000 Mark weniger zahlen
   

Bis zu 45 Prozent lassen sich beim Neuwagenkauf im europäischen Ausland sparen. Dieses Ergebnis des jüngsten EU-Berichtes vom 23. 7. 2001 über die Neuwagenpreise in Europa ist für den mobilen Freiberufler nicht ohne interessante Aspekte.

Innerhalb der EU gibt es große Unterschiede bei Preisen für Neuwagen. Das hat die EU in ihrem Auto-Preis-Report festgestellt. Demnach müssen Autokäufer in Deutsch-land für die meisten Modelle weiterhin besonders viel zahlen. Die EUREGIO Grenz-überschreitende Verbraucherberatung (EGV) in Gronau hat nachgerechnet. Sie ermittelte beispielsweise beim Kauf eines BMW 318i einen Preisvorteil von rund 4.600 Mark in den Niederlanden und 6.100 Mark in Dänemark. Den Audi A6 finden Käufer nach der Rechnung der EGV Gronau rund 5.700 Mark günstiger in den Niederlanden und sage und schreibe 14.000 Mark günstiger in Dänemark. Spitzenreiter in Sachen Preisunterschied ist der Opel Vectra. Er wird in Finnland 13.900 Mark, in den Niederlanden 6.700 Mark und in Dänemark 16.000 Mark preiswerter als in Deutschland angeboten.
Der Import von Neufahrzeugen aus dem Ausland funktioniert in der Regel unproblematisch. Dazu beigetragen hat die so genannte EU-Betriebserlaubnis, die Hersteller seit 1996 für jedes neu in den Verkehr gebrachte Fahrzeug beantragen müssen. Mit diesem Zertifikat können im europäischen Ausland gekaufte Neuwagen ohne weitere technischen Prüfungen zugelassen werden. Doch wie immer kann der Teufel im Detail liegen.

 

Suche nach Händleradressen
Erster Schritt beim Autokauf im Ausland: die Suche nach Händleradressen. Telefonnummern und Anschriften findet man in den internationalen Händlerverzeichnissen der jeweiligen Marken oder beispielsweise in den Annoncenteilen von Autozeitschriften in den einzelnen Ländern. Ein Händlerverzeichnis kann man beim Werk oder Importzentrum des Herstellers anfordern. Inzwischen sind auch die meisten Automobilhersteller in den jeweiligen Ländern mit Händlerverzeichnissen im Internet zu finden.

 

Rechtliche Situation
Aus rechtlicher Sicht spricht nichts gegen den Autokauf im Nachbarland. Auch Privatleute dürfen Fahrzeuge aus allen Mitgliedsländern der Europäischen Union nach Deutschland importieren. Eine Garantie bleibt nach der Einfuhr bestehen.

 

Steuerliche Aspekte
Schon seit einigen Jahren fällt beim Warenverkehr innerhalb der Europäischen Union kein Zoll mehr an. Die Besteuerung erfolgt in der Regel im Kaufland. Beim Erwerb von Neuwagen im Ausland ist das jedoch anders. Wer ein Auto in Belgien oder in den Niederlanden kauft, um es nach Deutschland zu bringen, der muss nicht dort, sondern erst im Inland die Mehrwertsteuer bezahlen. Für die Steuer ist wichtig, ob ein Neuwagen oder Gebrauchtwagen gekauft und ob dieser bei einem Händler oder bei Privatleuten erstanden wurde. Aus steuerlicher Sicht ist innerhalb der Europäischen Union ein Fahrzeug ein Neuwagen, solange es nicht länger als sechs Monate zugelassen ist oder nicht mehr als 6.000 Kilometer gefahren wurde.

Kauft man als Privatperson
· einen Neuwagen
· bei einem Händler oder einer Privatperson aus Belgien oder den Niederlanden, fällt die ausländische Steuer nicht an. Die deutsche Mehrwertsteuer in Höhe von 16 Prozent muss man innerhalb von zehn Tagen beim deutschen Finanzamt bezahlen.

Kauft man als Privatperson
· einen Gebrauchtwagen
· bei einer Privatperson oder einem Händler aus Belgien oder den Niederlanden,
wird die (im Preis enthaltene) ausländische Steuer fällig. In Deutschland fällt jedoch keine Mehrwertsteuer mehr an.

 

Steuern und Abgaben
Beispielsweise beträgt der Mehrwertsteuersatz in Belgien 21 Prozent. Weitere Abgaben fallen nicht an. In den Niederlanden wiederum liegt die Mehrwertsteuer bei 19 Prozent.

 

Garantieleistungen im gesamten europäischen Raum
Nach den Händlerverträgen der Automobilwerke und Generalimporteure sind Vertragshändler verpflichtet, alle Garantieleistungen im gesamten europäischen Raum zu erbringen, egal wo der Wagen ursprünglich gekauft wurde. Die Garantiezeit beginnt am Tage der Erstzulassung. Wenn der Wagen bereits eine Tageszulassung hatte, gilt dieser Termin als Fristbeginn. Wichtige Voraussetzung, um den Anspruch auf Garantieleistungen durchsetzen zu können: Übergabedatum, Händlerstempel und Unterschrift des ausliefernden Vertragshändlers müssen im Serviceheft enthalten sein. Ohne diesen Nachweis können Garantiearbeiten leicht abgelehnt werden.

 

Ermittlung des Importpreises
Die Vertragshändler der Automobilhersteller lassen sich in Sachen Verdienst natürlich nicht gerne in die Karten schauen. Deshalb ist es leider so gut wie unmöglich, den Nettopreis im jeweiligen Land schlicht zu erfragen. Ohne Taschenrechner kommt man kaum aus. Die Preise im jeweiligen Land sind Endpreise. Als Importeur eines Neuwagens muss man die in diesen Preisen enthaltenen Steuern nicht bezahlen. Zur Ermittlung des Importpreises muss man:
1. den Nettopreis im jeweiligen Land ermitteln,
2. diesen in deutsche Währung umrechnen,
3. 16 Prozent deutsche Mehrwertsteuer addieren und
4. sonstige Kosten berücksichtigen, zum Beispiel für die erforderlichen Importpapiere, den Transport des Fahrzeugs und die Abwicklung aller Formalitäten.

Wichtig: Man darf nicht vergessen, Rabatte, die auf den Listenpreis gewährt wurden, in die Rechnung einzubeziehen. Beim Preisvergleich muss auch die Ausstattung berücksichtigt werden. Dies geschieht am besten anhand der Originalpreislisten. Oftmals sind kleinere Wagen in den Nachbarländern meist nicht so gut ausgestattet wie in Deutschland - und das bei gleicher Typenbezeichnung.

 

Dokumente beim Kauf
Hat man einen Neuwagen gekauft, benötigt man für das deutsche Finanzamt und auch für die Zulassung den Kaufvertrag sowie die Originalrechnung. Beim Kauf eines Gebrauchtwagens sollte man in den Kaufvertrag immer die Fahrgestellnummer, das letzte Kennzeichen, den Namen und die Anschrift des Vorbesitzers eintragen lassen. Kauft man den Gebrauchten von privat, sollte man sich den Ausweis zeigen lassen und den Namen, die Anschrift sowie die Ausweisnummer in den Kaufvertrag übertragen.
Bei Neufahrzeugen wird meist eine EU-Betriebserlaubnis mitgeliefert. Der internationale Name lautet Certificate of Conformity (COC). War das Fahrzeug bereits zugelassen, bekommt man den Fahrzeugbrief. Da manche Zulassungsstellen in Deutschland die Vorlage des Ursprungszeugnisses oder des ausländischen Fahrzeugbriefes für die Zulassung zwingend vorschreiben, sollte man sich dieses Dokument beim Kauf auf jeden Fall aushändigen lassen. Für die Zulassung von ausländischen Gebrauchtwagen verlangen deutsche Zulassungsstellen hin und wieder das ausländische Nummernschild. In den Niederlanden kann man sich zum Beispiel das Kennzeichen vom Verkäufer geben lassen. In Belgien werden die Autokennzeichen personenbezogen erteilt und können daher nicht mitgenommen werden.

 

Mit dem Fahrzeug nach Deutschland
Nach dem Kauf stellt sich die Frage des Heimtransports. Gebrauchtwagen sollte man, um Pannen zu vermeiden, immer auf einem Anhänger (Trailer) transportieren. Je nach Region und Vermieter kann man sich einen geeigneten Hänger für 50 bis 70 Mark pro Tag leihen.
Neufahrzeuge können auch auf den eigenen vier Rädern über die Grenze gefahren werden. Mit dem Händler muss die Vereinbarung getroffen werden, dass er dem Käufer nach Lieferung des Autos vom Werk oder Importeur die für die Zulassung erforderlichen Papiere zusendet. Einige ausländische Händler sind so entgegenkommend, dass sie das neue Fahrzeug bis zur Grenze transportieren. Dann kann die Fahrt mit dem deutschen nationalen Überführungskennzeichen weitergehen. Da die Richtlinien von den einzelnen Zulassungsstellen unterschiedlich ausgelegt werden, sollte man sich vorher erkundigen, welche Papiere für die Erteilung des Überführungskennzeichen notwendig sind.

 

Mehrwertsteuer und Anmeldung in Deutschland
Zunächst muss nach einem Neuwagenkauf im europäischen Ausland die Mehrwertsteuer beim örtlichen deutschen Finanzamt bezahlt werden. Die Steuer ist innerhalb von zehn Tagen nach Kaufdatum zu entrichten.
Für die anschließende Anmeldung eines Fahrzeuges mit EU-Betriebserlaubnis, verlangen die Zulassungsstellen lediglich noch eine so genannte Unbedenklichkeitsbescheinigung. Diese ist beim Kraftfahrtbundesamt in Flensburg für knapp 30 Mark erhältlich. Fahrzeuge ohne EU-Betriebserlaubnis müssen in jedem Fall vor der Zulassung noch zum TÜV, um ein Vollgutachten erstellen zu lassen. Und hier kann es Probleme geben. Ein Beispiel: Golf ist in Europa nicht gleich Golf. Es gibt möglicherweise Unterschiede bei den Sicherungen, andere Leuchtmittel bei den Scheinwerfern, den Bremslichtern oder den Blinkern. Der Wagen muss also rundherum den deutschen Vorschriften entsprechen, nur dann bekommt er den Segen des TÜVs. Achtung: Die Beschriftung im Wageninneren ist in der Landessprache gehalten. Möglicherweise zeigt der Tacho dann Meilen statt Stundenkilometer an.

 

Der Kauf per Direktimporteur
Wenn diese Mühe zu groß erscheint, kann man auch zu einem Direktimporteur gehen. Der erledigt den ganzen Papierkram und stellt das Auto schlüsselfertig vor die Tür. Natürlich will er für seine Leistung auch bezahlt werden. Das heißt, sagenhafte Preisnachlässe werden eher die Ausnahme sein. Laut ADAC sind über einen Direktimporteur Preisnachlässe von bis zu 15 Prozent, in Ausnahmefällen bis zu 20 Prozent herauszuhandeln.

 

Warum Neuwagen in anderen Ländern billiger sind
Grundlage des Reports sind Netto-Preise vor Steuern. Die Faustregel lautet: Überall da, wo hohe Steuern anfallen, ist der Netto-Preis niedrig. Wie die Beispiele im Auto-Preis-Report zeigen, kostet in Finnland ein Mittelklassewagen netto deutlich weniger als in Deutschland. Durch die hohen Steuern muss ein Finne trotzdem am Ende mehr dafür auf den Tisch des Autohauses legen. Der Vorteil für Bürger aus anderen EU-Ländern: Wer ein Auto mit in sein Heimatland nimmt, kann zumindest einen Teil dieser hohen Steuern sparen und dadurch von dem niedrigen Nettopreis profitieren.