RATGEBER
  RATGEBER RECHT
     
    Sorgfaltspflichten von Ski- und Snowboardfahrern
     
   

Die Freunde alpiner Kurz- und Langschwünge zieht es nun wieder auf die verschneiten Pisten. Doch bei aller Freude darüber sollte man immer auch das nötige Maß an Rücksicht gegenüber den anderen Wintersportlern walten lassen.

   

   

Das Problem:

   

Dies zeigt ein vom Landgericht Coburg entschiedener Fall, bei dem eine Skifahrerin und ein Snowboardfahrer kollidierten. Das Gericht legte beiden ein Mitverschulden zur Last, weil sie sich jeweils nicht entsprechend den Geboten zu gegenseitiger Rücksichtnahme und kontrolliertem Fahren verhalten hatten, und sprach der verletzten Skifahrerin darum nur ein reduziertes Schmerzensgeld zu.

     
   

Entscheidung des Gerichtes:

   

Die zwei Wintersportler waren sich auf einer österreichischen Skipiste zusammengestoßen. Durch den Zusammenstoß stürzte die Skifahrerin und brach sich dabei Bein, Rippen und Handgelenk. Ihrer Meinung nach war der Snowboarder - der jede Verantwortung von sich wies - Schuld, weil er viel zu schnell und von hinten in sie hinein gefahren sei. Sie verlangte deshalb 10.000 € Schmerzensgeld.
Die Klage hatte nur teilweise Erfolg. Das Landgericht Coburg erachtete die Regeln des Internationalen Ski-Verbandes ("FIS-Regeln") für maßgeblich. Danach müsse jeder Ski- und Snowboardfahrer sich so verhalten, dass er keinen anderen gefährde oder schädige. Es gelte das Gebot des kontrollierten Fahrens. Der Fahrer müsse die Geschwindigkeit seinem Können, den Schwierigkeiten des Geländes, der Schneebeschaffenheit und dem Vorhandensein anderer Personen anpassen und stets imstande sein, notfalls rechtzeitig abzuschwingen oder anzuhalten. Auch nach der Einvernahme von Zeugen sei für keinen der beiden Unfallbeteiligten festzustellen, dass er sich diesen Vorgaben gemäß verhalten habe. Weil ein Snowboard schwerer zu steuern sei und bei jedem zweiten Schwung einen toten Winkel beschere, gehe von einem Snowboarder allerdings eine etwas höhere Gefahr aus als von einem Skifahrer. Insgesamt sah das Gericht in Anbetracht der Verletzungen und des Mitverschuldens der Klägerin 4.800 € Schmerzensgeld als angemessen an. Landgericht Coburg Az: 14 O 462/06 (Meldung vom 05.12.2007)

   

   

Ratschlag:

   

Da kann das Wintervergnügen zu einem teuren Spaß werden. An dieser Stelle sei daran erinnert, dass in solchen Fällen nur eine Privathaftpflichtversicherung größeren finanziellen Schaden verhindern kann. Gerade auch dann, wenn man mit Kindern unterwegs ist, welche sich vielleicht noch nicht entsprechend koordinieren können. Schon ein leichter Zusammenstoß und Fall auf harten Untergrund können erhebliche Verletzungen zur Folge haben.